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China Handelspolitik deutsche Unternehmen 2026

30. August 2026 / Unternehmer Retter

Härterer China-Kurs: Welche Handelsrisiken deutsche Unternehmen jetzt prüfen müssen

Stand: 30. August 2026

Die deutsche Industrie verändert ihren Ton gegenüber China. BDI und DIHK verlangen von der Bundesregierung und der Europäischen Union ein entschlosseneres Vorgehen gegen staatlich begünstigte Überkapazitäten, Wettbewerbsverzerrungen und den zunehmenden Preisdruck chinesischer Anbieter.

Auch die Koalitionsfraktionen von Union und SPD sprechen sich für eine robustere europäische Reaktion aus. Genannt werden insbesondere eine schnellere und breitere Anwendung von Anti-Dumping- und Anti-Subventionsmaßnahmen sowie europäische Herkunfts- und Wertschöpfungskriterien für staatlich geförderte Produkte.

Für deutsche Unternehmen ist diese Debatte keine abstrakte außenpolitische Auseinandersetzung. Sie kann Einkaufspreise, Absatzmärkte, Deckungsbeiträge, Investitionen, Lieferketten und die Finanzierung chinesischer Tochtergesellschaften unmittelbar beeinflussen.

Entscheidend ist jedoch eine saubere Abgrenzung:

Es wurden am 28. August 2026 keine neuen pauschalen EU-Zölle gegen chinesische Waren beschlossen. Diskutiert werden zusätzliche oder schneller einsetzbare Schutzmaßnahmen. Bereits bestehende Ausgleichszölle und andere handelspolitische Instrumente bleiben davon unberührt.

BDI und DIHK drängen vor allem auf eine schnellere Nutzung bereits vorhandener europäischer Instrumente. Die Koalitionsfraktionen verlangen darüber hinaus Local-Content-Kriterien und weitere industriepolitische Maßnahmen. Diese weitergehenden Vorschläge befinden sich noch im politischen beziehungsweise europäischen Gesetzgebungsprozess.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Forderungen von BDI, DIHK und Koalitionsfraktionen sind noch keine neuen gesetzlichen Maßnahmen.
  • Die EU erhebt bereits produktspezifische Anti-Dumping- und Anti-Subventionszölle, unter anderem auf bestimmte Elektroautos aus China.
  • Neue „Made in EU“- und Local-Content-Regeln sind im vorgeschlagenen Industrial Accelerator Act vorgesehen, aber noch nicht abschließend beschlossen.
  • Deutsche Unternehmen sollten nicht auf einen einzigen politischen Ausgang setzen, sondern mindestens vier Szenarien durchrechnen.
  • Besonders gefährdet sind Unternehmen, die gleichzeitig von chinesischen Vorprodukten, chinesischen Absatzmärkten und chinesischen Tochtergesellschaften abhängig sind.
China Handelspolitik deutsche Unternehmen 2026 Infografik

China Handelspolitik deutsche Unternehmen 2026 Infografik

Was BDI, DIHK und Koalitionsfraktionen konkret fordern

Der BDI fordert eine schnellere Anwendung bestehender handelspolitischer Schutzinstrumente. Dazu gehören Schutzmaßnahmen bei stark steigenden Importen sowie methodische Änderungen bei Anti-Dumping- und Anti-Subventionsverfahren. Produktgruppen sollen nach Vorstellung des Verbandes stärker gebündelt werden können, damit die EU nicht gegen jede einzelne Produktvariante ein langwieriges Einzelverfahren führen muss.

Die DIHK hält die vorhandenen Regeln der Welthandelsorganisation und der Europäischen Union grundsätzlich für ausreichend. Nach ihrer Einschätzung müssen jedoch die europäischen Entscheidungs- und Untersuchungsverfahren verkürzt und effizienter gestaltet werden.

Die Koalitionsfraktionen gehen in ihrem Forderungspapier teilweise weiter. Vorgeschlagen werden:

  • eine schnellere und breitere Anwendung von Anti-Dumping-Maßnahmen,
  • eine konsequentere Nutzung von Anti-Subventionsverfahren,
  • europarechtskonforme Local-Content-Kriterien,
  • die Berücksichtigung europäischer Wertschöpfung bei staatlichen Förderprogrammen,
  • zusätzliche Maßnahmen zur Unterstützung der europäischen Automobilindustrie.

Für die deutsche Förderung von Elektrofahrzeugen sollen entsprechende Kriterien allerdings erst eingesetzt werden, wenn sie mit dem europäischen Recht vereinbar und möglichst innerhalb der EU harmonisiert sind. Ein sofort wirksamer deutscher Local-Content-Zwang wurde damit nicht beschlossen.

Der BDI warnt zugleich davor, mögliche chinesische Gegenmaßnahmen auszublenden. Dieses Risiko müsse in strategische Entscheidungen einbezogen werden. Es dürfe Europa jedoch nicht grundsätzlich davon abhalten, gegen Wettbewerbsverzerrungen vorzugehen. Der Verband verweist insbesondere auf chinesische Exportkontrollen, intransparente Lizenzverfahren und Abhängigkeiten bei Seltenen Erden und Permanentmagneten.

Was bereits gilt – und was bisher nur vorgeschlagen wurde

Instrument Stand am 30. August 2026 Bedeutung für Unternehmen
EU-Ausgleichszölle auf bestimmte Elektroautos aus China Bereits in Kraft Zusätzliche Abgaben grundsätzlich zwischen 7,8 und 35,3 Prozent; individuelle Preisvereinbarungen und Ausnahmen sind möglich
Anti-Dumping-Maßnahmen Bereits verfügbar und vielfach eingesetzt Produktspezifische Zölle bei nachgewiesenem Dumping und Schädigung der EU-Industrie
Anti-Subventionsmaßnahmen Bereits verfügbar Ausgleich spezifischer staatlicher Subventionen, die europäischen Herstellern schaden
Schutzmaßnahmen Bereits verfügbar Vorübergehender Schutz bei einem unerwarteten und starken Anstieg von Importen
Foreign Subsidies Regulation Seit Juli 2023 anwendbar Kontrolle wettbewerbsverzerrender ausländischer Subventionen bei Übernahmen, öffentlichen Aufträgen und im Binnenmarkt
Anti-Coercion Instrument Seit Dezember 2023 in Kraft Europäische Reaktionsmöglichkeiten bei wirtschaftlichem Druck oder gezielten Gegenmaßnahmen eines Drittstaates
Industrial Accelerator Act Gesetzgebungsvorschlag vom 4. März 2026 Vorgesehene „Made in EU“-, Resilienz- und Klimakriterien für Beschaffung und staatliche Förderung
Zusätzliche breite Schutzmaßnahmen gegen chinesische Überkapazitäten Politische Forderung Konkrete Produkte, Zollsätze, Schwellenwerte und Starttermine sind noch offen

Die EU hat bereits Ende Oktober 2024 definitive Ausgleichszölle auf bestimmte batterieelektrische Fahrzeuge aus China eingeführt. Der allgemeine Rahmen sieht zusätzliche Abgaben zwischen 7,8 und 35,3 Prozent vor. Diese kommen grundsätzlich zum regulären Einfuhrzoll hinzu. Im Jahr 2026 wurde jedoch erstmals für ein einzelnes in China hergestelltes Fahrzeug ein Mindestpreis- und Mengenmodell anstelle des zusätzlichen Ausgleichszolls akzeptiert. Solche Preisverpflichtungen zeigen, dass handelspolitische Lösungen nicht ausschließlich aus Zöllen bestehen müssen.

Anti-Dumping-Verfahren schaffen zudem keine sofortige Entlastung. Nach Angaben der Europäischen Kommission werden vorläufige Maßnahmen üblicherweise innerhalb von sieben bis acht Monaten und endgültige Maßnahmen innerhalb von 13 bis 14 Monaten eingeführt. Unternehmen dürfen daher nicht davon ausgehen, dass politischer Druck kurzfristig automatisch zu besseren Marktbedingungen führt.

Auch die geplanten „Made in EU“-Regeln sind noch kein geltendes Recht. Der Industrial Accelerator Act wurde am 4. März 2026 von der Europäischen Kommission vorgeschlagen. Das Verfahren befand sich Ende August 2026 noch vor einer Entscheidung der zuständigen Ausschüsse des Europäischen Parlaments.

Warum der Konflikt gerade jetzt an Schärfe gewinnt

China war 2025 wieder Deutschlands wichtigster Warenhandelspartner. Gleichzeitig stieg der deutsche Importüberschuss im Handel mit China auf rund 89 Milliarden Euro. In den ersten Monaten des Jahres 2026 setzte sich die hohe Bedeutung chinesischer Einfuhren fort.

Ein Handelsdefizit allein beweist noch keine Wettbewerbsverzerrung. Es zeigt aber, wie groß die wirtschaftliche Verflechtung und damit auch die gegenseitige Abhängigkeit geworden ist.

Der BDI schätzt, dass staatliche Förderung, günstige Finanzierung, Überkapazitäten und Wechselkurseffekte chinesischen Herstellern erhebliche Preisvorteile ermöglichen. China bestreitet, seine Industrie durch unfaire Subventionen oder eine gezielte Unterbewertung der Währung zu bevorteilen.

Für deutsche Unternehmen ist diese politische Auseinandersetzung allein jedoch nicht entscheidend. Ausschlaggebend ist, ob chinesische Wettbewerber über längere Zeit Preise anbieten können, die deutsche Hersteller aufgrund ihrer Kostenstruktur nicht wirtschaftlich darstellen können.

Die Hintergründe dieses Wettbewerbsdrucks und die langfristige chinesische Industriestrategie werden im Beitrag über Made in China 2025 ausführlich erläutert. Eine vertiefende Analyse des unfairen Wettbewerbsdrucks aus China ergänzt diese handelspolitische Szenarioanalyse.

Vier Szenarien, auf die sich Unternehmen vorbereiten sollten

Die folgenden Szenarien sind keine Prognosen. Sie dienen als betriebswirtschaftliche Belastungstests. Unternehmen sollten jedes Szenario mit ihren eigenen Preisen, Mengen, Lieferanten, Kunden, Kreditlinien und Tochtergesellschaften berechnen.

Szenario Margen Lieferketten Marktzugang Finanzierung
1. Politische Untätigkeit oder langsame Verfahren Weiterer Preis- und Rabattdruck Chinesische Beschaffung bleibt günstig, Abhängigkeit steigt Keine unmittelbare Eskalation, aber fortgesetzte Verdrängung Sinkendes EBITDA und weniger Kreditspielraum
2. Gezielte EU-Schutzmaßnahmen Entlastung für geschützte Hersteller, Mehrkosten für Importeure Zölle, Ursprungsprüfung und Umstellungskosten Chinesische Anbieter lokalisieren Produktion teilweise in der EU Höherer Working-Capital- und Investitionsbedarf
3. Verhandelte Lokalisierung und Mindestpreise Wettbewerb bleibt intensiv, reiner Preisdruck kann sinken Mehr europäische Produktion, aber weiterhin chinesisch kontrollierte Wertschöpfung Neue Kooperationen und neue Wettbewerber innerhalb Europas Investitionen, Beteiligungen und neue Abhängigkeiten
4. Handelseskalation mit Gegenmaßnahmen Gleichzeitiger Absatz- und Kostenschock möglich Rohstoffengpässe, Exportlizenzen, längere Lieferzeiten Regulatorische und handelspolitische Erschwernisse in China Liquiditätsbedarf, Wertberichtigungen und Risiken aus Garantien

Szenario 1: Europa handelt langsam und der Preisdruck hält an

In diesem Szenario dauern europäische Untersuchungen lange oder beschränken sich auf einzelne Produktgruppen. Chinesische Unternehmen können ihre Marktanteile in Europa weiter ausbauen.

Besonders gefährlich ist diese Entwicklung für Hersteller mit:

  • hohen Fixkosten,
  • geringer Produktdifferenzierung,
  • austauschbaren Standardprodukten,
  • schwacher Preisdurchsetzung,
  • niedriger Auslastung,
  • hohen Finanzierungskosten.

Wie schnell ein kleiner Preisrückgang den Ertrag zerstören kann

Ein vereinfachtes Beispiel zeigt die Hebelwirkung:

Ein Industrieunternehmen erzielt 50 Millionen Euro Umsatz. Seine variablen Kosten betragen 37,5 Millionen Euro. Der Deckungsbeitrag vor Fixkosten liegt damit bei 12,5 Millionen Euro.

Muss das Unternehmen seine Preise bei unveränderten Mengen und Kosten um acht Prozent senken, fällt der Umsatz auf 46 Millionen Euro. Der Deckungsbeitrag sinkt auf 8,5 Millionen Euro.

Das bedeutet:

Acht Prozent Preisrückgang führen in diesem Beispiel zu einem Rückgang des Deckungsbeitrags um 32 Prozent.

Eine solche Entwicklung kann trotz stabiler Umsatzzahlen schnell zu einer Ergebnis-, Finanzierungs- und später zu einer Liquiditätskrise führen.

Unternehmen sollten deshalb nicht nur Umsätze und Auftragseingänge beobachten. Wichtiger sind:

  • Deckungsbeitrag je Produktgruppe,
  • Preisnachlässe je Kunde,
  • Auftragsbestand zu alten und neuen Preisen,
  • Auslastung der Produktionslinien,
  • Anteil nicht kostendeckender Aufträge,
  • Entwicklung der Lagerbestände,
  • Forderungslaufzeiten und Zahlungsziele.

Sinkende Margen, steigende Lagerbestände und längere Zahlungsziele können eine Unternehmenskrise auslösen, obwohl das Unternehmen auf den ersten Blick weiterhin ausreichend Aufträge besitzt.

Szenario 2: Die EU führt gezielte Schutzmaßnahmen ein

In diesem Szenario reagiert die Europäische Union mit zusätzlichen Anti-Dumping- oder Anti-Subventionsmaßnahmen gegen einzelne chinesische Produkte. Ergänzend könnten europäische Wertschöpfungs- und Resilienzkriterien bei öffentlichen Aufträgen und Förderprogrammen eingeführt werden.

Für europäische Hersteller der betroffenen Waren kann das eine Entlastung bringen. Für Importeure und weiterverarbeitende Unternehmen können dagegen neue Kosten entstehen.

Mögliche Gewinner

  • europäische Hersteller, die unmittelbar mit chinesischen Importen konkurrieren,
  • Unternehmen mit weitgehend europäischer Lieferkette,
  • Anbieter, die europäische Herkunft zuverlässig dokumentieren können,
  • Hersteller von Ersatzprodukten und alternativen Komponenten,
  • Unternehmen, die öffentliche Auftraggeber beliefern.

Mögliche Verlierer

  • Importeure chinesischer Fertigprodukte,
  • Händler mit langfristig vereinbarten Verkaufspreisen,
  • europäische Hersteller mit hohem Anteil chinesischer Vorprodukte,
  • Unternehmen ohne belastbare Ursprungsnachweise,
  • Betriebe, die kurzfristig keine alternativen Lieferanten qualifizieren können.

Der Zoll trifft nicht immer den chinesischen Hersteller

Rechtlich wird der Einfuhrzoll vom Importeur in der Europäischen Union entrichtet. Wirtschaftlich kann die Belastung unterschiedlich verteilt werden:

  • Der chinesische Lieferant senkt seinen Verkaufspreis.
  • Der europäische Importeur trägt die Zusatzkosten.
  • Der Importeur erhöht seinen Verkaufspreis.
  • Kunde und Lieferant teilen sich die Belastung.
  • Die Ware wird durch ein alternatives Produkt ersetzt.
  • Die Produktion wird in ein anderes Land oder in die EU verlagert.

Welche Variante eintritt, hängt von Marktmacht, Vertragsgestaltung, Nachfrage, Produktverfügbarkeit und Substitutionsmöglichkeiten ab.

Ursprungsregeln werden zum strategischen Risiko

Unternehmen dürfen nicht davon ausgehen, dass eine einfache Endmontage in einem Drittstaat automatisch den chinesischen Warenursprung beseitigt.

Für handelspolitische Maßnahmen gelten die nichtpräferenziellen Ursprungsregeln der EU. Entscheidend kann sein, wo die letzte wesentliche und wirtschaftlich gerechtfertigte Be- oder Verarbeitung stattgefunden hat. Reine Minimaloperationen reichen nicht aus, um einen neuen Ursprung zu begründen.

Die korrekte Ursprungsermittlung liegt grundsätzlich in der Verantwortung des Anmelders beziehungsweise Importeurs. Sie beeinflusst unter anderem:

  • Anti-Dumping-Zölle,
  • Anti-Subventionszölle,
  • Schutzmaßnahmen,
  • Einfuhrbeschränkungen,
  • öffentliche Ausschreibungen,
  • Ursprungskennzeichnungen.

Damit werden Stücklisten, Produktionsschritte, Wertanteile und Lieferantenerklärungen zu finanzierungsrelevanten Unterlagen.

Unternehmen sollten für jedes kritische Produkt mindestens dokumentieren:

  1. Zolltarifnummer,
  2. nichtpräferenziellen Ursprung,
  3. Hersteller und Produktionsstätte,
  4. wesentliche chinesische Vorprodukte,
  5. letzten wesentlichen Verarbeitungsschritt,
  6. verantwortlichen Importeur,
  7. vertragliche Tragung zusätzlicher Zölle,
  8. mögliche Alternativlieferanten.

Szenario 3: Chinesische Anbieter lokalisieren ihre Produktion in Europa

Der BDI hält eine stärkere Produktion chinesischer Unternehmen innerhalb der Europäischen Union grundsätzlich für eine Möglichkeit, Handelsungleichgewichte zu verringern. Auch europäische Preisverpflichtungsmodelle können Investitionszusagen innerhalb der EU berücksichtigen.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch weniger Konkurrenz.

Ein chinesischer Anbieter, der in Europa produziert, kann weiterhin Vorteile besitzen:

  • hohe Produktionsvolumina,
  • vertikal integrierte Lieferketten,
  • schnelle Entwicklungszyklen,
  • Zugang zu Batterien, Elektronik und Vorprodukten,
  • umfangreiche Finanzierungsmöglichkeiten,
  • große Heimatmärkte,
  • hohe Skalierungsgeschwindigkeit.

Für deutsche Mittelständler kann daraus eine neue Wettbewerbssituation entstehen: Der chinesische Wettbewerber ist nicht mehr nur Importeur, sondern europäischer Produzent, Arbeitgeber, Auftraggeber und möglicherweise Kunde.

Gleichzeitig entstehen Chancen für:

  • Maschinen- und Anlagenbauer,
  • Automatisierungsspezialisten,
  • Wartungs- und Serviceunternehmen,
  • Logistikdienstleister,
  • Bauunternehmen,
  • Energie- und Netztechnik,
  • lokale Zulieferer,
  • Qualitätsprüfung und Zertifizierung.

Unternehmen sollten solche Aufträge nicht ausschließlich nach Umsatz bewerten. Zu prüfen sind auch:

  • Konzentration auf einen Großkunden,
  • Zahlungsbedingungen,
  • Gewährleistungs- und Haftungsrisiken,
  • Know-how-Abfluss,
  • Zugriff auf technische Daten,
  • mögliche Exklusivitätsbindungen,
  • Abhängigkeit von kurzfristigen Investitionsentscheidungen.

Die Europäische Kommission hat im Zusammenhang mit chinesischen Elektroautos bereits deutlich gemacht, dass Mindestpreise, Absatzkanäle, Quoten und künftige Investitionen in der EU Teil individueller Lösungen sein können.

Szenario 4: China reagiert mit Gegenmaßnahmen

Eine Verschärfung der europäischen Handelspolitik kann chinesische Gegenmaßnahmen auslösen. Diese müssen nicht ausschließlich aus Gegenzöllen bestehen.

Mögliche Belastungskanäle sind:

  • zusätzliche Anti-Dumping- oder Anti-Subventionsverfahren gegen EU-Produkte,
  • strengere Exportlizenzen,
  • Einschränkungen bei kritischen Rohstoffen,
  • verzögerte Genehmigungen,
  • intensivere Kontrollen,
  • erschwerter Zugang zu öffentlichen Aufträgen,
  • informeller Druck auf Kunden oder Vertriebspartner,
  • Anforderungen an Lokalisierung, Datenhaltung oder technische Standards.

China führte bereits 2025 Exportkontrollen für mehrere Seltene Erden ein. Der BDI kritisiert weiterhin intransparente Lizenzverfahren und einen selektiven Marktzugang.

Die Rohstoffabhängigkeit ist erheblich. Die Europäische Kommission weist in ihrer Rohstoffübersicht aus, dass China 100 Prozent der EU-Versorgung mit schweren Seltenen Erden stellt. Diese Materialien sind unter anderem für Elektromotoren, Permanentmagnete, Windkraftanlagen, Elektronik, Verteidigungstechnik und industrielle Anwendungen relevant.

Die EU verfügt inzwischen über ein Anti-Coercion Instrument. Es ermöglicht grundsätzlich Reaktionen, wenn ein Drittstaat durch Maßnahmen gegen Handel oder Investitionen politischen oder wirtschaftlichen Druck auf die EU oder einen Mitgliedstaat ausübt. Mögliche europäische Reaktionen können Warenhandel, Dienstleistungen, Investitionen, Finanzmärkte, öffentliche Beschaffung, geistiges Eigentum oder Exportkontrollen betreffen.

Dieses Instrument verhindert jedoch nicht, dass betroffene Unternehmen während einer Eskalation zunächst operative und finanzielle Schäden erleiden.

China Handelspolitik deutsche Unternehmen 2026

China Handelspolitik deutsche Unternehmen 2026

Lieferketten nicht nur bis zum direkten Lieferanten prüfen

Viele deutsche Unternehmen kennen ihren unmittelbaren chinesischen Lieferanten. Sie wissen jedoch nicht, welche Abhängigkeiten bei dessen Vorlieferanten bestehen.

Ein vermeintlich europäisches Produkt kann beispielsweise enthalten:

  • chinesische Permanentmagnete,
  • chinesische Elektronikkomponenten,
  • chinesische Batteriezellen,
  • chinesisches Magnesium,
  • chinesischen Graphit,
  • chinesische Spezialchemikalien,
  • chinesische Maschinenbauteile,
  • in China gefertigte Leiterplatten.

Eine belastbare Lieferkettenanalyse muss deshalb mindestens bis zur zweiten und bei kritischen Komponenten möglichst bis zur dritten Lieferantenstufe reichen.

Für jede kritische Komponente sind fünf Fragen zu beantworten

  1. Aus welchem Land stammt die Komponente tatsächlich?
  2. Gibt es mindestens einen technisch qualifizierten Alternativlieferanten?
  3. Wie lange dauert dessen Freigabe oder Zertifizierung?
  4. Welche Sicherheitsbestände überbrücken diese Zeit?
  5. Wie stark steigt der Kapitalbedarf durch zusätzliche Lagerhaltung?

Ein vorhandenes Angebot eines anderen Lieferanten ist noch keine belastbare Alternative. Entscheidend sind technische Freigabe, Werkzeugverfügbarkeit, Produktionskapazität, Qualität, Zertifizierung und tatsächliche Lieferzeit.

Chinesische Tochtergesellschaften separat finanzieren und bewerten

Unternehmen mit eigenen Niederlassungen, Produktionsstätten oder Vertriebsgesellschaften in China besitzen eine zusätzliche Risikodimension.

Die Konzernplanung sollte nicht unterstellen, dass Liquidität aus China jederzeit und vollständig für die deutsche Muttergesellschaft verfügbar ist.

Zu prüfen sind insbesondere:

Finanzierungsbereich Zu klärende Frage
Eigenkapital Wie hoch wäre der zusätzliche Kapitalbedarf bei einem Absatzrückgang?
Gesellschafterdarlehen Welche Rückzahlungen werden in der Konzernliquidität eingeplant?
Bankdarlehen Welche Kredite müssen in den nächsten 12 bis 24 Monaten verlängert werden?
Garantien Welche Bürgschaften oder Patronatserklärungen hat die deutsche Mutter abgegeben?
Cash Pooling Welche Liquidität ist tatsächlich grenzüberschreitend verfügbar?
Dividenden Was passiert, wenn Ausschüttungen später oder geringer erfolgen?
Währungsrisiko Wie verändern CNY/EUR-Bewegungen Ergebnis und Rückzahlungsfähigkeit?
Beteiligungswert Wann werden Wertberichtigungen auf Beteiligungen oder Darlehen erforderlich?
Lieferantenfinanzierung Welche Zahlungsziele können bei einer Eskalation verkürzt werden?
Kundenforderungen Wie hoch sind offene Forderungen gegenüber chinesischen Kunden?

Die deutsche Liquiditätsplanung muss auch ohne China-Transfers funktionieren

Für den Belastungstest sollten Unternehmen unterstellen, dass geplante Zahlungen aus China um drei, sechs oder zwölf Monate verspätet eingehen. Diese Zeiträume sind keine Prognose, sondern interne Stressannahmen.

Anschließend ist zu prüfen:

  • Reicht die deutsche Liquidität trotzdem aus?
  • Werden Kreditlinien oder Covenants verletzt?
  • Müssen Investitionen verschoben werden?
  • Können Steuern, Sozialabgaben, Löhne und Lieferanten weiterhin fristgerecht bezahlt werden?
  • Welche Garantien könnten von Banken oder Geschäftspartnern gezogen werden?
  • Wie hoch wäre eine mögliche Wertberichtigung?

Erwartete Ausschüttungen oder Darlehensrückzahlungen aus China sollten erst dann als sicher verfügbare Liquidität behandelt werden, wenn die tatsächlichen rechtlichen, steuerlichen und banktechnischen Voraussetzungen geprüft wurden.

Der Mindest-Stresstest für deutsche Industrieunternehmen

Die folgenden Werte sind keine Marktprognose. Sie sind beispielhafte Belastungsstufen, die jedes Unternehmen an sein Geschäftsmodell anpassen sollte.

Risikofaktor Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3
Verkaufspreise in Europa −5 % −10 % −15 %
Absatzmenge in Europa −10 % −20 % −30 %
Kosten chinesischer Vorprodukte +5 % +15 % +30 %
Umsatz in China −10 % −25 % −40 %
Lagerreichweite +15 Tage +30 Tage +60 Tage
Forderungslaufzeit +10 Tage +20 Tage +30 Tage
Lieferverzögerung kritischer Teile 2 Wochen 6 Wochen 12 Wochen
Transfer von Liquidität aus China +3 Monate +6 Monate +12 Monate
Zusätzlicher Investitionsbedarf gering mittel erheblich

Für jede Belastungsstufe sollten mindestens folgende Ergebnisse berechnet werden:

  • Umsatz,
  • Deckungsbeitrag,
  • EBITDA,
  • operativer Cashflow,
  • Working Capital,
  • Kreditlinienauslastung,
  • Zinsdeckungsgrad,
  • Covenant-Spielraum,
  • Liquiditätsreichweite,
  • Finanzierungsbedarf,
  • notwendige Gegenmaßnahmen.

Welche Verträge jetzt geprüft werden sollten

Besondere Aufmerksamkeit verdienen Verträge mit:

  • chinesischen Lieferanten,
  • deutschen Kunden mit Festpreisen,
  • europäischen Importeuren,
  • Logistikunternehmen,
  • Joint-Venture-Partnern,
  • Banken und Warenkreditversicherern.

Wichtige Vertragsfragen sind:

  • Wer trägt neue Zölle oder Abgaben?
  • Gibt es Preisänderungs- oder Neuverhandlungsklauseln?
  • Ist eine gesetzliche Änderung als Anpassungsgrund erfasst?
  • Welche Incoterms wurden vereinbart?
  • Wer ist Importeur und Zollschuldner?
  • Welche Ursprungsnachweise muss der Lieferant vorlegen?
  • Dürfen Lieferquellen kurzfristig verändert werden?
  • Welche Mindestabnahmemengen bestehen?
  • Welche Kündigungsrechte greifen bei Exportkontrollen?
  • Sind Lieferverzögerungen und höhere Gewalt eindeutig geregelt?

Eine pauschale Berufung auf höhere Gewalt wird bei Preissteigerungen oder neuen Zöllen nicht automatisch möglich sein. Die konkrete Vertragsgestaltung muss im Einzelfall rechtlich geprüft werden.

Frühwarnwerte für die Geschäftsleitung

Ein unternehmensspezifisches China-Risiko-Cockpit kann beispielsweise folgende Schwellenwerte enthalten:

Frühwarnsignal Beispielhafter Handlungswert
Deckungsbeitrag unter Plan mehr als 10 % Abweichung
Preisnachlässe mehr als 3 Prozentpunkte über Planung
Kritische Beschaffung aus einem Land mehr als 50 % ohne freigegebene Alternative
Lagerbestand mehr als 20 Tage über Planung
Forderungslaufzeit mehr als 15 Tage über Planung
Auftragsbestand mehr als 15 % unter Vorjahr
Covenant-Spielraum weniger als 20 % Reserve
Nicht kostendeckende Aufträge mehr als 10 % des Auftragsbestands
Verzögerte Zahlungen aus China mehr als 30 Tage
Liquiditätsreserve weniger als drei Monatsfixkosten

Die Werte müssen an Branche, Finanzierung und Geschäftsmodell angepasst werden. Entscheidend ist, dass bei Überschreitung automatisch eine Entscheidung ausgelöst wird und die Entwicklung nicht nur zur Kenntnis genommen wird.

Ein 90-Tage-Programm für Unternehmen mit China-Abhängigkeit

Phase 1: Transparenz schaffen

In den ersten Wochen werden sämtliche China-Abhängigkeiten erfasst:

  • Umsatz mit chinesischen Kunden,
  • indirekter China-Umsatz über deutsche Großkunden,
  • direkte und indirekte chinesische Beschaffung,
  • kritische Rohstoffe,
  • Tochtergesellschaften,
  • Joint Ventures,
  • Beteiligungen,
  • Darlehen und Garantien.

Phase 2: Ergebnis- und Liquiditätswirkung berechnen

Danach werden die vier Szenarien auf Produktgruppen-, Kunden- und Gesellschaftsebene durchgerechnet.

Nicht nur der Jahresgewinn ist entscheidend. Benötigt werden zusätzlich:

  • rollierende 13-Wochen-Liquiditätsplanung,
  • Monatsplanung für mindestens zwölf Monate,
  • Szenarioplanung für 24 Monate,
  • Covenant-Vorschau,
  • Working-Capital-Planung.

Phase 3: Verträge und Lieferketten absichern

Nun werden:

  • Ursprungsnachweise vervollständigt,
  • Zolltarifnummern überprüft,
  • Alternativlieferanten freigegeben,
  • Preisänderungsklauseln verhandelt,
  • Sicherheitsbestände festgelegt,
  • Versicherungsschutz geprüft.

Phase 4: Entscheidungen vorbereiten

Auf Grundlage der Ergebnisse entscheidet die Geschäftsleitung über:

  • Preiserhöhungen,
  • Aufgabe unrentabler Produkte,
  • europäische Beschaffung,
  • zusätzliche Lagerhaltung,
  • Produktionsverlagerungen,
  • Investitionen,
  • Verkauf oder Schließung einzelner Bereiche,
  • Refinanzierung,
  • operative Restrukturierung.

Wenn Preisdruck und Lieferkettenrisiken bereits Ergebnis und Liquidität gefährden, sollte eine frühzeitige Unternehmensrestrukturierung geprüft werden. Je früher das Unternehmen handelt, desto größer bleibt der unternehmerische Gestaltungsspielraum.

Welche Unternehmen besonders gefährdet sind

Besonders kritisch ist die Lage für Unternehmen mit einer doppelten oder dreifachen China-Abhängigkeit.

Einfache Abhängigkeit

Das Unternehmen kauft lediglich einzelne Vorprodukte in China ein oder erzielt einen begrenzten Umsatz auf dem chinesischen Markt.

Doppelte Abhängigkeit

Das Unternehmen bezieht kritische Komponenten aus China und konkurriert gleichzeitig mit chinesischen Anbietern in Europa.

Dreifache Abhängigkeit

Zusätzlich zur Beschaffungs- und Wettbewerbsexposition bestehen chinesische Tochtergesellschaften, Beteiligungen, Garantien oder erhebliche Forderungen.

Bei einer dreifachen Abhängigkeit kann eine Handelseskalation gleichzeitig:

  • Einkaufskosten erhöhen,
  • die Produktion unterbrechen,
  • Verkaufspreise drücken,
  • China-Umsätze reduzieren,
  • Liquidität in Tochtergesellschaften binden,
  • Wertberichtigungen auslösen,
  • die Kreditfähigkeit der deutschen Mutter schwächen.

Gerade diese Unternehmen benötigen eine integrierte Betrachtung von Markt, Einkauf, Finanzierung und Liquidität.

Häufige Fragen zur China-Handelspolitik 2026

Hat die EU im August 2026 neue pauschale China-Zölle beschlossen?

Nein. BDI, DIHK und die deutschen Koalitionsfraktionen haben zusätzliche beziehungsweise schneller einsetzbare Maßnahmen gefordert. Über konkrete neue pauschale Zollsätze wurde noch nicht entschieden.

Bereits bestehende produktspezifische Anti-Dumping- und Anti-Subventionsmaßnahmen bleiben davon unberührt. Dazu gehören unter anderem die Ausgleichszölle auf bestimmte batterieelektrische Fahrzeuge aus China.

Was bedeutet Local Content?

Local Content bezeichnet Vorgaben oder Bewertungskriterien, nach denen ein bestimmter Anteil eines Produktes innerhalb der EU hergestellt oder aus europäischen Komponenten zusammengesetzt werden soll.

Solche Kriterien können bei Förderprogrammen, öffentlichen Ausschreibungen oder strategischen Produkten eingesetzt werden. Die konkrete Berechnung, die zulässigen Drittlandsanteile und die betroffenen Branchen müssen jedoch rechtlich eindeutig festgelegt werden.

Können höhere Zölle auch deutschen Unternehmen schaden?

Ja. Deutsche Hersteller, die chinesische Vorprodukte importieren, können höhere Einkaufskosten tragen müssen. Händler können auf bereits vereinbarten Verkaufspreisen sitzen bleiben. Weiterverarbeitende Unternehmen können gegenüber außereuropäischen Wettbewerbern an Wettbewerbsfähigkeit verlieren.

Schutzmaßnahmen helfen deshalb nicht automatisch jedem europäischen Unternehmen.

Welche Branchen sind besonders betroffen?

Zu den besonders exponierten Bereichen gehören unter anderem:

  • Automobilindustrie und Zulieferer,
  • Maschinen- und Anlagenbau,
  • Stahl und Metalle,
  • Chemie,
  • Solartechnik,
  • Batterien,
  • Elektronik,
  • Windkraft,
  • industrielle Ausrüstung,
  • kritische Rohstoffe.

Die Europäische Kommission sieht Auswirkungen chinesischer Überkapazitäten unter anderem in den Bereichen Stahl, Windenergie, Automobilindustrie und Chemie.

Was ist die wichtigste Sofortmaßnahme?

Die wichtigste Maßnahme ist eine integrierte China-Expositionsanalyse. Einkauf, Vertrieb, Zoll, Finanzierung und Tochtergesellschaften dürfen nicht getrennt geplant werden.

Das Unternehmen muss wissen, wie stark Ergebnis und Liquidität belastet werden, wenn Preise sinken, Vorprodukte teurer werden, Lieferungen ausfallen und Zahlungen aus China gleichzeitig später eingehen.

Nicht auf die Politik warten, sondern vier Entwicklungen einplanen

Die Forderungen nach einem härteren europäischen China-Kurs markieren einen politischen Wendepunkt. Teile der deutschen Industrie, die handelspolitische Schutzmaßnahmen lange kritisch gesehen haben, verlangen inzwischen ein entschlosseneres Vorgehen.

Ob daraus neue Zölle, Local-Content-Regeln, Mindestpreise, Investitionszusagen oder andere Schutzinstrumente entstehen, ist noch offen.

Unternehmen sollten deshalb nicht darauf wetten, dass Europa handelt. Sie sollten aber auch nicht darauf vertrauen, dass alles unverändert bleibt.

Die richtige Strategie besteht aus vier parallel vorbereiteten Antworten:

  1. wirtschaftlich gegen anhaltenden Preisdruck bestehen,
  2. zusätzliche Zölle und Beschaffungskosten verkraften,
  3. auf eine stärkere europäische Produktion chinesischer Wettbewerber reagieren,
  4. mögliche chinesische Gegenmaßnahmen überstehen.

Eine belastbare China-Strategie ist 2026 keine reine Einkaufs- oder Vertriebsstrategie mehr. Sie ist eine Margen-, Lieferketten-, Finanzierungs- und Krisenstrategie.

Quellen und weiterführende Informationen

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