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China-Schock unfairer Wettbewerbsdruck

30. Juni 2026 / Unternehmer Retter

China-Schock 2.0: Wie unfairer Wettbewerbsdruck die deutsche Industrie schwächt – und was Unternehmer jetzt tun müssen

Deutschlands Industrie steckt nicht nur in einer konjunkturellen Schwächephase. Sie steht unter einem strukturellen Druck, der immer stärker auf Aufträge, Margen, Investitionen und Arbeitsplätze durchschlägt. Besonders brisant: Eine aktuelle Abschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt, dass ein erheblicher Teil der Deindustrialisierung seit 2019 auf die Konkurrenz aus China zurückzuführen sein dürfte.

Das betrifft nicht nur Großkonzerne. Besonders gefährdet sind mittelständische Industrieunternehmen, Zulieferer, Maschinenbauer, Komponentenhersteller, energieintensive Betriebe und Unternehmen, die stark vom Export abhängig sind.

Die Zahlen sind alarmierend: Im Verarbeitenden Gewerbe sank die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland zwischen 2019 und 2025 um rund 520.000 Personen. Das Institut der deutschen Wirtschaft kommt in seiner Analyse zu der Einschätzung, dass das Gros dieser Entwicklung auf die China-Konkurrenz zurückgehen dürfte. In einer groben Überschlagsrechnung werden rund 400.000 Industriearbeitsplätze mit diesem China-Effekt in Verbindung gebracht.

Für Unternehmer ist diese Entwicklung mehr als eine volkswirtschaftliche Kennzahl. Sie zeigt, dass viele deutsche Betriebe nicht nur unter schwacher Nachfrage, hohen Energiekosten und Bürokratie leiden, sondern auch unter einem globalen Wettbewerb, der zunehmend unfair verzerrt ist.

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Warum die Deindustrialisierung für Unternehmer mehr ist als eine Statistik

Arbeitsplatzabbau ist in Unternehmen meist nicht der Anfang einer Krise, sondern ein spätes Symptom. Bevor Personal reduziert wird, zeigen sich häufig andere Warnsignale: rückläufige Auftragseingänge, aggressivere Preisverhandlungen, sinkende Margen, steigende Lagerbestände, verschobene Investitionen und schwierigere Gespräche mit Banken oder Finanzierungspartnern.

Die deutsche Industrie verliert seit Jahren Exportmarktanteile. Besonders seit 2021 zeigt sich eine deutliche Schwäche gegenüber den weltweiten Absatzmärkten. Das bedeutet: Die deutschen Exporte wachsen nicht mehr im gleichen Tempo wie die Märkte, auf denen deutsche Unternehmen verkaufen wollen.

Für den Mittelstand ist das besonders gefährlich. Viele Betriebe sind hoch spezialisiert, verfügen über starke technische Kompetenz und langjährige Kundenbeziehungen. Doch wenn Wettbewerber aus China mit deutlich niedrigeren Preisen auftreten, geraten selbst solide Unternehmen unter Druck.

Das Problem ist dabei nicht nur ein einzelner verlorener Auftrag. Gefährlich wird es, wenn Kunden chinesische Angebote dauerhaft als Preisanker nutzen. Dann sinkt das Preisniveau ganzer Produktgruppen. Unternehmen, die in Deutschland produzieren, geraten in eine strukturelle Margenfalle.

China-Schock unfairer Wettbewerbsdruck Infografik

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Der neue Wettbewerbsdruck kommt nicht nur über den Preis

China war lange vor allem als Produktionsstandort für einfache Massenwaren bekannt. Diese Phase ist vorbei. Heute konkurrieren chinesische Anbieter zunehmend in Bereichen, die traditionell zu den Stärken der deutschen Industrie gehören: Maschinenbau, Elektrotechnik, Automobilzulieferung, Batterietechnik, Chemie, Metallverarbeitung, Solarkomponenten und industrielle Vorprodukte.

Der Wettbewerb betrifft damit nicht mehr nur austauschbare Standardprodukte. Er erreicht zunehmend komplexe Industriegüter, Komponenten und Systemlösungen. Genau das macht die Situation für deutsche Unternehmen so kritisch.

Wenn deutsche Anbieter Marktanteile verlieren und chinesische Anbieter gleichzeitig gewinnen, deutet das auf eine tiefere Verschiebung hin. Es geht nicht nur um einzelne Preisnachlässe oder temporäre Konjunkturschwankungen. Es geht um eine Neuordnung industrieller Wertschöpfung.

Für Unternehmer bedeutet das: Wer heute noch davon ausgeht, dass Qualität allein als Schutzschild genügt, unterschätzt die Dynamik. Qualität bleibt wichtig. Aber in vielen Märkten reicht sie nicht mehr aus, wenn Kunden unter Kostendruck stehen und alternative Anbieter zu deutlich niedrigeren Preisen verfügbar sind.

Deutschland ist nicht überall zu teuer – aber gegenüber China massiv im Nachteil

In der öffentlichen Debatte wird oft behauptet, Deutschland sei generell nicht mehr wettbewerbsfähig. Diese Aussage ist zu pauschal. Gegenüber vielen wichtigen Handelspartnern hat sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands seit 2019 nur begrenzt verschlechtert. Gegenüber China sieht die Lage jedoch deutlich anders aus.

Deutsche Industrieprodukte sind gegenüber chinesischen Industriewaren seit Anfang 2020 erheblich teurer geworden. In einheitlicher Währung ergibt sich nach den Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft ein relativer Preisnachteil von rund 40 Prozent.

Ein solcher Abstand lässt sich auf Unternehmensebene kaum durch Effizienzprogramme allein ausgleichen. Ein Betrieb kann Prozesse optimieren, Einkaufskonditionen verbessern, Energie sparen und Digitalisierung vorantreiben. Doch wenn der Wettbewerber durch Währungseffekte, niedrigere Standortkosten, staatliche Förderung und günstigere Finanzierung einen massiven Vorteil hat, entsteht kein normaler Wettbewerb mehr.

Besonders kritisch ist die Rolle der chinesischen Währung. Der Yuan gilt nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft als deutlich unterbewertet. Dadurch werden chinesische Waren auf internationalen Märkten künstlich günstiger, während europäische Hersteller preislich zusätzlich unter Druck geraten.

Für deutsche Unternehmer bedeutet das: Der Wettbewerb mit China ist nicht immer ein Wettbewerb zwischen zwei Unternehmen unter gleichen Bedingungen. Häufig ist es ein Wettbewerb zwischen einem marktwirtschaftlich kalkulierenden Betrieb in Deutschland und einem Anbieter, der von industriepolitischen Rahmenbedingungen in China profitiert.

Subventionen verzerren den Weltmarkt

Neben der Währung spielen staatliche Subventionen eine zentrale Rolle. Internationale Untersuchungen zeigen, dass Industrieunternehmen mit Sitz in China erheblich stärker staatlich unterstützt werden als Unternehmen in vielen OECD-Ländern.

Diese Förderungen können verschiedene Formen annehmen: direkte Zuschüsse, vergünstigte Kredite, staatlich unterstützte Energiepreise, steuerliche Vorteile, günstige Grundstücke, Exporthilfen oder Hilfen über staatlich beeinflusste Finanzinstitutionen. Für deutsche Unternehmen ist das schwer zu erkennen, aber auf den Märkten spürbar.

Wenn Wettbewerber dauerhaft unter europäischen Vollkosten anbieten können, liegt das nicht zwangsläufig daran, dass deutsche Betriebe schlecht geführt sind. Es kann daran liegen, dass die Preisbildung auf chinesischer Seite durch staatliche Eingriffe verzerrt wird.

Das ist für Unternehmer eine wichtige Erkenntnis. Nicht jeder Margenverlust ist automatisch ein Managementfehler. Aber jeder Margenverlust muss unternehmerisch beantwortet werden. Wer die Ursachen versteht, kann bessere Entscheidungen treffen: Welche Produkte verteidige ich? Welche Kunden sind noch profitabel? Welche Märkte lohnen sich? Und wo muss ich mein Geschäftsmodell anpassen?

Warum gerade mittelständische Betriebe besonders betroffen sind

Großkonzerne können auf globalen Wettbewerbsdruck oft flexibler reagieren. Sie können Produktion verlagern, internationale Beschaffungsstrukturen nutzen, eigene Rechts- und Zollabteilungen aufbauen oder Verluste in einzelnen Sparten länger ausgleichen.

Mittelständische Unternehmen haben diese Möglichkeiten häufig nicht. Sie sind stärker an ihren Standort gebunden, beschäftigen spezialisierte Fachkräfte, arbeiten mit langfristigen Lieferanten und sind oft auf wenige Kernmärkte fokussiert.

Der China-Druck zeigt sich im Mittelstand besonders häufig an fünf Stellen:

Erstens: Kunden nutzen chinesische Angebote als Druckmittel in Preisverhandlungen. Selbst wenn Qualität, Service und Lieferzuverlässigkeit nicht vergleichbar sind, wird das niedrigere Angebot zum Maßstab gemacht.

Zweitens: Margen sinken trotz stabiler oder sogar guter Auslastung. Das Unternehmen arbeitet viel, verdient aber immer weniger.

Drittens: Lagerbestände steigen, weil Kunden kurzfristiger bestellen, Abrufe verschieben oder sich alternative Lieferanten offenhalten.

Viertens: Investitionen werden zurückgestellt, weil die Planbarkeit fehlt. Neue Maschinen, Digitalisierung, Energieeffizienz oder Transformation rechnen sich schwerer, wenn Absatzpreise unter Druck stehen.

Fünftens: Banken und Finanzierungspartner werden vorsichtiger. Wenn Umsatz und Ergebnis auseinanderlaufen, steigen die Anforderungen an Planung, Liquiditätsrechnung und Sanierungskonzept.

Diese Entwicklung kann schleichend verlaufen. Viele Unternehmen bemerken die Krise nicht sofort, weil der Umsatz zunächst noch stabil bleibt. Gefährlich wird es, wenn der Betrieb zwar weiter produziert, aber immer weniger verdient. Dann entsteht eine Ertragskrise, die später in eine Liquiditätskrise umschlagen kann.

Der gefährliche Irrtum: Umsatz ist nicht gleich Stabilität

In vielen Unternehmen gilt Umsatz noch immer als wichtigster Erfolgsmaßstab. Doch in einer Phase unfairen Wettbewerbs kann Umsatz gefährlich werden, wenn er keine ausreichende Marge mehr bringt.

Ein Auftrag, der nur angenommen wird, um Maschinen auszulasten, kann Liquidität vernichten. Das gilt besonders dann, wenn hohe Materialkosten, lange Zahlungsziele, Vorfinanzierung, Gewährleistungsrisiken oder steigende Finanzierungskosten hinzukommen.

Unternehmer sollten deshalb stärker auf Deckungsbeiträge, Zahlungsströme und Kapitalbindung achten. Entscheidend ist nicht, ob ein Auftrag groß aussieht. Entscheidend ist, ob er das Unternehmen wirtschaftlich stärkt.

Gerade in der Industrie kann falsche Auslastung gefährlich sein. Wer dauerhaft zu niedrigen Preisen produziert, bindet Personal, Maschinen, Material und Liquidität in Aufträgen, die das Unternehmen nicht ausreichend finanzieren. In einer angespannten Marktlage kann das den Weg in die Krise beschleunigen.

Was Unternehmer jetzt konkret tun sollten

Die China-Konkurrenz lässt sich auf Unternehmensebene nicht verhindern. Aber sie lässt sich strategisch bewerten und unternehmerisch managen. Entscheidend ist, frühzeitig zu handeln und nicht erst dann zu reagieren, wenn Liquidität, Banken oder Lieferanten Druck machen.

1. China-Risiko im Controlling sichtbar machen

Unternehmer sollten prüfen, welche Produkte, Kunden und Märkte direkt oder indirekt von chinesischem Wettbewerb betroffen sind. Dabei geht es nicht nur um direkte Konkurrenzprodukte. Auch indirekter Druck ist relevant, etwa wenn Kunden günstigere chinesische Alternativen nutzen, um bestehende Lieferanten im Preis zu drücken.

Wichtig ist eine klare Analyse: Welche Produktgruppen verlieren Marge? Welche Kunden fordern besonders starke Preisnachlässe? Welche Märkte zeigen zunehmende Importkonkurrenz? Wo steigen Lagerbestände oder sinken Abrufe?

Ohne diese Transparenz bleibt der China-Druck ein allgemeines Gefühl. Mit klaren Zahlen wird daraus eine steuerbare Managementaufgabe.

2. Produktportfolio ehrlich bewerten

Nicht jedes Produkt lässt sich am Standort Deutschland dauerhaft verteidigen. Unternehmen sollten ihr Portfolio konsequent trennen: Welche Produkte sind echte Speziallösungen? Welche bieten technischen Mehrwert? Welche sind sicherheitskritisch oder kundenspezifisch? Und welche Produkte sind inzwischen austauschbare Standardware?

Commodity-Produkte mit hohem Preiswettbewerb müssen anders behandelt werden als hochwertige Nischenlösungen. In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, Produkte einzustellen, auszulagern, anders zu kalkulieren oder nur noch unter bestimmten Bedingungen anzubieten.

Entscheidend ist, dass Unternehmer nicht aus Tradition an unprofitablen Produkten festhalten. Was früher ein guter Umsatzträger war, kann heute ein Risikofaktor sein.

3. Kalkulation auf Vollkostenbasis aktualisieren

Viele Betriebe kalkulieren noch mit Annahmen aus einer anderen Marktphase. Energiepreise, Finanzierungskosten, Löhne, Materialkosten, Ausschuss, Lieferzeiten, Kapitalbindung und regulatorische Aufwendungen haben sich verändert.

Deshalb sollten Mindestpreise regelmäßig neu berechnet werden. Unternehmer müssen wissen, ab welchem Preis ein Auftrag tatsächlich wirtschaftlich ist. Dazu gehört auch die Frage, wie lange Material vorfinanziert werden muss, welche Zahlungsziele gelten und welche Risiken im Auftrag stecken.

Wer seine tatsächlichen Kosten nicht kennt, verhandelt im Blindflug. Und wer im Blindflug verhandelt, gibt in Krisenzeiten oft zu früh nach.

4. Liquidität vor Umsatz stellen

In angespannten Märkten ist Liquidität wichtiger als Wachstum um jeden Preis. Unternehmer sollten jeden größeren Auftrag auf Liquiditätswirkung prüfen. Das gilt besonders bei langen Produktionszeiten, hohen Materialeinsätzen, unsicheren Kunden, Exportgeschäften und Projekten mit spätem Zahlungseingang.

Ein Auftrag kann auf dem Papier profitabel erscheinen und trotzdem Liquiditätsprobleme verursachen. Deshalb müssen Zahlungspläne, Anzahlungen, Kreditlinien, Lagerbindung und Forderungslaufzeiten eng überwacht werden.

Gerade bei zunehmendem Wettbewerbsdruck gilt: Nicht jeder Umsatz ist guter Umsatz.

5. Vertrieb neu ausrichten

Wenn chinesische Anbieter im unteren Preisbereich dominieren, müssen deutsche Unternehmen ihre Vertriebsargumentation schärfen. Es reicht nicht, allgemein auf Qualität zu verweisen. Der konkrete Nutzen muss messbar sein.

Dazu gehören geringere Ausfallkosten, kürzere Stillstandszeiten, bessere technische Beratung, zuverlässigere Lieferfähigkeit, höhere Lebensdauer, geringere Reklamationsquoten, bessere Dokumentation oder regulatorische Sicherheit.

Unternehmen müssen ihren Kunden zeigen, warum der höhere Preis wirtschaftlich gerechtfertigt ist. Wer nur über den Stückpreis spricht, verliert schnell gegen billigere Anbieter. Wer über Gesamtkosten, Risiko und Versorgungssicherheit spricht, hat bessere Chancen.

6. Einkauf und Lieferketten überprüfen

Auch deutsche Unternehmen können prüfen, ob sie ihre Beschaffung robuster und kosteneffizienter aufstellen können. Dabei geht es nicht darum, blind nach China auszuweichen. Es geht um eine strategische Lieferkettenentscheidung.

Welche Vorprodukte sind kritisch? Wo gibt es Abhängigkeiten? Welche Materialien oder Komponenten können alternativ beschafft werden? Wo lassen sich Rahmenverträge verbessern? Welche Lagerstrategie passt zur aktuellen Unsicherheit?

Eine gute Einkaufsstrategie kann Margen stabilisieren. Eine schlechte Einkaufsstrategie kann Krisen verschärfen.

7. Frühzeitig restrukturieren

Restrukturierung bedeutet nicht automatisch Insolvenz. Im Gegenteil: Je früher Unternehmer handeln, desto größer ist der Handlungsspielraum.

Wenn Ergebnis, Eigenkapitalquote, Liquidität und Auftragseingang gleichzeitig unter Druck geraten, sollten Unternehmen nicht abwarten. Dann braucht es eine belastbare Planung, klare Maßnahmen, realistische Finanzierungsgespräche und gegebenenfalls externe Sanierungsexpertise.

Frühe Restrukturierung kann helfen, Bankengespräche zu stabilisieren, Lieferantenvertrauen zu sichern, Kosten anzupassen, unrentable Bereiche zu schließen und das Geschäftsmodell neu auszurichten.

Wer zu spät handelt, verliert Optionen.

China-Schock unfairer Wettbewerbsdruck

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Was die Politik leisten muss

Unternehmer können ihre Betriebe anpassen, aber sie können keinen fairen Weltmarkt allein herstellen. Wenn Währungen, Subventionen und staatlich gelenkte Überkapazitäten den Wettbewerb verzerren, braucht es politische Antworten.

Dazu gehören handelspolitische Instrumente gegen nachweislich unfair subventionierte Produkte. Die EU hat bereits gezeigt, dass sie bei subventionierten Importen reagieren kann, etwa im Bereich batterieelektrischer Fahrzeuge aus China.

Doch Zölle allein lösen das Problem nicht. Deutschland und Europa brauchen eine umfassendere Standortstrategie. Dazu gehören wettbewerbsfähige Energiepreise, schnellere Genehmigungen, weniger Bürokratie, verlässliche Investitionsbedingungen, bessere Finanzierungsmöglichkeiten und eine klare Industriepolitik für Schlüsselbranchen.

Der Maßstab sollte nicht Abschottung sein. Der Maßstab muss fairer Wettbewerb sein. Deutsche Unternehmen müssen nicht vor Konkurrenz geschützt werden. Sie müssen aber vor systematisch verzerrtem Wettbewerb geschützt werden.

Die deutsche Industrie braucht Tempo – im Betrieb und in der Politik

Die aktuelle Analyse zur Rolle Chinas bei der Deindustrialisierung ist keine exakte Berechnung für jeden einzelnen verlorenen Arbeitsplatz. Sie ist aber ein starkes Warnsignal. Wenn ein erheblicher Teil der industriellen Arbeitsplatzverluste seit 2019 plausibel mit der China-Konkurrenz verbunden ist, dann handelt es sich nicht um eine abstrakte Handelsdebatte.

Es geht um die industrielle Substanz Deutschlands.

Für Unternehmer bedeutet das: Warten ist die teuerste Strategie. Wer heute noch Handlungsspielraum hat, sollte Geschäftsmodell, Kostenstruktur, Liquidität, Vertrieb und Marktposition prüfen. Wer bereits unter Druck steht, sollte frühzeitig sanieren, bevor Banken, Lieferanten oder das Finanzamt den Takt vorgeben.

Die Deindustrialisierung ist kein Naturgesetz. Aber sie wird zur Realität, wenn Unternehmen zu spät reagieren und die Politik unfairen Wettbewerb zu lange hinnimmt.

Der deutsche Mittelstand hat weiterhin starke Argumente: Qualität, Präzision, Verlässlichkeit, Ingenieurwissen, Kundennähe und Spezialisierung. Diese Stärken müssen jetzt konsequent geschützt, finanziert und strategisch neu ausgerichtet werden.

FAQ China-Schock unfairer Wettbewerbsdruck

Ist China allein schuld an der Deindustrialisierung in Deutschland?

Nein. Hohe Energiepreise, Bürokratie, Fachkräftemangel, schwache Investitionen, Transformationskosten und eine schwache Konjunktur belasten die deutsche Industrie ebenfalls. Die aktuelle Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft legt jedoch nahe, dass die China-Konkurrenz seit 2019 einen besonders großen Anteil an den industriellen Arbeitsplatzverlusten haben dürfte.

Warum ist die Konkurrenz aus China für deutsche Unternehmen so gefährlich?

Weil sie nicht nur auf normalen Kostenvorteilen beruht. Eine unterbewertete Währung, hohe Industriesubventionen, staatlich beeinflusste Finanzierung und industrielle Überkapazitäten können Preise ermöglichen, mit denen deutsche Unternehmen unter fairen Marktbedingungen kaum konkurrieren können.

Was sollten Unternehmer bei sinkenden Margen zuerst tun?

Der erste Schritt ist ein ehrlicher Liquiditäts- und Margencheck. Unternehmer sollten prüfen, welche Produkte noch Geld verdienen, welche Kunden zu viel Kapital binden und welche Aufträge nur noch angenommen werden, um Auslastung zu sichern. Danach braucht es eine belastbare Maßnahmenplanung für Preise, Kosten, Finanzierung, Vertrieb und gegebenenfalls Restrukturierung.

Wann wird aus Wettbewerbsdruck eine Unternehmenskrise?

Spätestens dann, wenn sinkende Margen, rückläufige Auftragseingänge, steigende Finanzierungskosten und Liquiditätsengpässe gleichzeitig auftreten. Unternehmer sollten nicht warten, bis Zahlungsrückstände entstehen. Je früher die Krise erkannt wird, desto größer sind die Chancen auf eine Sanierung ohne Kontrollverlust.

Was kann ein einzelnes Unternehmen gegen unfairen Wettbewerb tun?

Ein einzelnes Unternehmen kann den Weltmarkt nicht verändern. Es kann aber seine eigene Krisenfestigkeit erhöhen: durch bessere Kalkulation, klare Portfolioentscheidungen, aktives Liquiditätsmanagement, schärfere Vertriebsargumentation, robustere Lieferketten und frühzeitige Restrukturierung.

Quellen

  1. Institut der deutschen Wirtschaft Köln:
    „Chinas Beitrag zur De-Industrialisierung: Eine grobe Abschätzung“
    https://www.iwkoeln.de/studien/juergen-matthes-chinas-beitrag-zur-de-industrialisierung-eine-grobe-abschaetzung.html
  2. Deutsche Bundesbank:
    „Der Rückgang der deutschen Exportmarktanteile und seine Bedeutung für das Wirtschaftswachstum“
    https://publikationen.bundesbank.de/content/960342
  3. Statistisches Bundesamt:
    Erwerbstätige nach Wirtschaftsbereichen
    https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetigkeit/Tabellen/arbeitnehmer-wirtschaftsbereiche.html
  4. Institut der deutschen Wirtschaft Köln:
    „China: Fairer Yuan-Kurs könnte Deutschland Milliarden bringen“
    https://www.iwkoeln.de/presse/pressemitteilungen/juergen-matthes-samina-sultan-gero-kunath-china-fairer-yuan-kurs-koennte-deutschland-milliarden-bringen.html
  5. OECD:
    „Industrial subsidies reach highest levels since the global financial crisis“
    https://www.oecd.org/en/about/news/press-releases/2026/06/industrial-subsidies-reach-highest-levels-since-the-global-financial-crisis-says-oecd.html
  6. Europäische Kommission:
    „EU Commission imposes countervailing duties on imports of battery electric vehicles from China“
    https://trade.ec.europa.eu/access-to-markets/en/news/eu-commission-imposes-countervailing-duties-imports-battery-electric-vehicles-bevs-china