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EZB-Zinserhöhung September 2026

15. August 2026 / Unternehmer Retter

EZB-Zins könnte im September auf 2,5 Prozent steigen: Was Firmenkredite jetzt kosten

Stand: 14. August 2026

Für Unternehmen sind 25 Basispunkte keine abstrakte Zahl. Bei einer Million Euro verzinslicher Verbindlichkeiten bedeuten 0,25 Prozentpunkte zusätzliche Zinskosten von 2.500 Euro pro Jahr. Bei höheren Kreditvolumina, variabel verzinsten Betriebsmittellinien oder einer anstehenden Anschlussfinanzierung kann die Belastung schnell fünfstellig werden.

Genau dieses Szenario rückt näher: In einer aktuellen Ökonomenumfrage vom 13. August 2026 rechnen 57 von 69 befragten Fachleuten – rund 83 Prozent – damit, dass die Europäische Zentralbank ihren Einlagensatz im September von derzeit 2,25 auf 2,50 Prozent anhebt. Rund 63 Prozent erwarten, dass der Zinssatz anschließend mindestens bis zum dritten Quartal 2027 auf diesem Niveau bleibt.

Doch wichtig ist die Abgrenzung: Die Zinserhöhung ist noch nicht beschlossen. Die EZB entscheidet datenabhängig von Sitzung zu Sitzung und hat ausdrücklich erklärt, sich nicht auf einen bestimmten Zinspfad festzulegen. Die nächste geldpolitische Sitzung findet am 9. und 10. September 2026 statt.

Unternehmer sollten deshalb weder in Panik verfallen noch darauf hoffen, dass Kredite bald wieder deutlich billiger werden. Entscheidend ist jetzt ein realistischer Zinsstresstest.

Das Wichtigste zur möglichen EZB-Zinserhöhung im September 2026

Der Einlagensatz der EZB liegt aktuell bei 2,25 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz beträgt 2,40 Prozent, die Spitzenrefinanzierungsfazilität 2,65 Prozent. Eine Erhöhung um 25 Basispunkte würde den Einlagensatz auf 2,50 Prozent anheben.

Für Unternehmen bedeutet das:

  • Bestehende Festzinskredite bleiben bis zum Ende der Zinsbindung grundsätzlich unverändert.
  • Variable Kredite können sich bei der nächsten Zinsanpassung verteuern.
  • Neue Firmenkredite und Prolongationen können bereits vor der EZB-Entscheidung teurer werden.
  • Banken können nicht nur den Zinssatz, sondern auch Marge, Sicherheitenanforderungen und sonstige Bedingungen verschärfen.
  • Unternehmen mit schwacher Eigenkapitalquote, rückläufigen Ergebnissen oder hohem kurzfristigem Finanzierungsbedarf sind besonders gefährdet.
  • Eine Refinanzierung sollte nicht erst wenige Wochen vor der Fälligkeit vorbereitet werden.

Der größte Fehler besteht darin, ausschließlich auf die 25 Basispunkte zu schauen. Für einen einzelnen Kreditnehmer kann sich die tatsächliche Finanzierung deutlich stärker verteuern, wenn die Bank gleichzeitig seine Bonität schlechter einstuft oder höhere Risikozuschläge verlangt.

Ist die EZB-Zinserhöhung im September 2026 bereits beschlossen?

Nein.

Die aktuelle Umfrage beschreibt die Erwartungen von Ökonomen, nicht die Entscheidung des EZB-Rats. Bis zur Sitzung am 10. September können insbesondere Inflationsdaten, Energiepreise, Konjunkturindikatoren und geopolitische Entwicklungen die Entscheidung beeinflussen.

Die EZB ließ die Leitzinsen bei ihrer Sitzung am 23. Juli 2026 unverändert. Sie erklärte zugleich, die Dauer und Intensität des Energiepreisschocks sowie mögliche indirekte Auswirkungen auf andere Preise genau zu beobachten. Die Zinspolitik soll weiterhin von Sitzung zu Sitzung anhand der eintreffenden Daten festgelegt werden.

Die Umfrage ist trotzdem relevant. Sie zeigt, dass ein großer Teil der Ökonomen derzeit nicht mit einer schnellen Rückkehr zu niedrigeren Zinsen rechnet. Unternehmen sollten ihre Planungen daher nicht auf die Hoffnung stützen, dass sich Kredite bereits Anfang 2027 wieder wesentlich verbilligen.

Warum will die EZB die Zinsen möglicherweise erneut erhöhen?

Der wichtigste Auslöser sind anhaltende Inflationsrisiken.

Nach den zuletzt veröffentlichten Daten lag die Inflation im Euroraum im Juli 2026 bei 2,9 Prozent. Die befragten Ökonomen erwarten, dass die Teuerungsrate erst im dritten Quartal 2027 wieder das mittelfristige Ziel der EZB von zwei Prozent erreicht. Gleichzeitig haben hohe Energiepreise das Risiko erhöht, dass sich Preissteigerungen auf weitere Bereiche der Wirtschaft übertragen.

Die EZB steht damit vor einem schwierigen Zielkonflikt:

Einerseits können höhere Zinsen Investitionen, Bauprojekte und den privaten Konsum bremsen. Andererseits riskiert die Notenbank bei einer zu lockeren Geldpolitik, dass sich die Inflation dauerhaft oberhalb ihres Zielwerts festsetzt.

Für Unternehmen ist weniger entscheidend, ob die Zinserhöhung am Ende tatsächlich kommt. Wichtiger ist, dass Banken und Kapitalmärkte diese Möglichkeit bereits in ihre Kalkulationen einbeziehen können.

Warum der EZB-Zins nicht dem Firmenkreditzins entspricht

Ein Einlagensatz von 2,50 Prozent bedeutet nicht, dass ein Unternehmen einen Kredit zu 2,50 Prozent erhält.

Der tatsächliche Firmenkreditzins setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen.

Referenz- und Refinanzierungskosten

Bei variablen Darlehen wird häufig ein Referenzzinssatz wie der Drei- oder Sechsmonats-Euribor zugrunde gelegt. Bei Festzinsdarlehen spielen die Kapitalmarkt- und Swap-Sätze für die jeweilige Laufzeit eine wichtige Rolle.

Bankmarge

Die Bank kalkuliert eine Marge für ihre Kosten, ihr Eigenkapital, das Ausfallrisiko und den gewünschten Ertrag.

Bonität des Unternehmens

Eine stabile Ertragslage, eine tragfähige Kapitaldienstfähigkeit und eine solide Eigenkapitalausstattung senken normalerweise den Risikozuschlag. Verluste, Zahlungsstockungen, rückläufige Umsätze oder ein hoher Verschuldungsgrad können die Finanzierung verteuern.

Sicherheiten

Werthaltige Immobilien, Maschinen, Forderungen, Bürgschaften oder andere Sicherheiten können die Konditionen verbessern. Sind Sicherheiten bereits vollständig belastet oder schwer verwertbar, steigt das Risiko für die Bank.

Laufzeit und Zinsbindung

Lange Laufzeiten und lange Zinsbindungen werden anders kalkuliert als kurzfristige Betriebsmittelkredite. Ein variabler Zinssatz kann zunächst günstiger erscheinen, birgt aber ein größeres Änderungsrisiko.

Gebühren und Nebenbedingungen

Bereitstellungszinsen, Bearbeitungskosten, Avalprovisionen, Kontoführungsgebühren, Gutachterkosten oder Kosten einer Zinsabsicherung können die Gesamtbelastung zusätzlich erhöhen.

Der Nominalzins allein reicht deshalb für einen seriösen Vergleich nicht aus.

Was Firmenkredite aktuell kosten

Nach den jüngsten verfügbaren Zinsstatistiken stieg der durchschnittliche Finanzierungskostensatz für neue Unternehmenskredite im Euroraum im Juni 2026 auf 3,79 Prozent.

Bei neuen Krediten von mehr als einer Million Euro mit variabler Verzinsung oder kurzer Zinsbindung lag der durchschnittliche Satz bei 3,54 Prozent. Kredite bis 250.000 Euro mit variabler Verzinsung oder einer Zinsbindung von höchstens drei Monaten kosteten im Durchschnitt 3,91 Prozent. Bei Einzelunternehmern und Personengesellschaften lag der Vergleichswert bei 4,11 Prozent.

Diese Durchschnittswerte sind keine verbindlichen Marktangebote. Sie beinhalten sehr unterschiedliche Kreditnehmer, Branchen, Laufzeiten und Sicherheiten. Ein wirtschaftlich starkes Unternehmen kann günstigere Konditionen erhalten. Ein Unternehmen in der Krise kann deutlich höhere Zinssätze zahlen oder überhaupt keine neue Finanzierung bekommen.

Hinzu kommt: Deutsche Banken haben ihre Kreditvergaberichtlinien im zweiten Quartal 2026 erneut gestrafft. Als Hauptgrund nannten sie ein gestiegenes Kreditrisiko. Besonders restriktiv entwickelten sich die Richtlinien gegenüber dem Immobiliensektor, dem verarbeitenden Gewerbe und dem Handel.

Auch Unternehmen selbst berichten bereits von verschärften Finanzierungskonditionen. In einer Unternehmensumfrage meldeten per saldo 42 Prozent steigende Bankkreditzinsen. Zudem berichteten Unternehmen von höheren Gebühren, Provisionen und teilweise gestiegenen Sicherheitenanforderungen.

Welche Unternehmenskredite von einer Zinserhöhung betroffen wären

Variable Firmenkredite

Ist der Zinssatz an den Euribor oder einen anderen Referenzzins gekoppelt, kann sich die Belastung zum nächsten vertraglichen Anpassungstermin erhöhen.

Beispiel:

Sechsmonats-Euribor plus Bankmarge von 2,00 Prozentpunkten.

Steigt der Referenzzins, erhöht sich der Kreditzins entsprechend, sofern kein Zinscap oder eine andere Absicherung vereinbart wurde.

Kontokorrent- und Betriebsmittellinien

Kontokorrentkredite gehören häufig zu den teuersten Finanzierungsformen. Sie werden außerdem oft dauerhaft genutzt, obwohl sie ursprünglich nur kurzfristige Liquiditätsschwankungen überbrücken sollten.

Eine Zinserhöhung trifft hier besonders schnell, weil die Kreditlinie meist variabel verzinst wird. Zusätzlich kann die Bank die Linie reduzieren, weitere Sicherheiten verlangen oder die Konditionen bei der nächsten Überprüfung anpassen.

Auslaufende Festzinskredite

Während der vereinbarten Zinsbindung ändert sich der Zinssatz normalerweise nicht. Das Risiko entsteht am Ende der Laufzeit oder Zinsbindung.

Ein Unternehmen, das bisher beispielsweise 2,0 Prozent gezahlt hat, könnte bei der Prolongation mit einem deutlich höheren Anschlusszins konfrontiert werden. Die Belastung ergibt sich dann nicht nur aus dem möglichen September-Schritt von 0,25 Prozentpunkten, sondern aus dem gesamten Unterschied zwischen Alt- und Neuzins.

Investitionsfinanzierungen

Bei geplanten Maschinenkäufen, Immobilienprojekten, Unternehmensübernahmen oder größeren Modernisierungen kann sich die Wirtschaftlichkeitsrechnung verändern.

Ein Projekt, das bei vier Prozent Kreditzins noch einen ausreichenden Überschuss erwirtschaftet, kann bei fünf oder sechs Prozent seine Renditeziele verfehlen.

Förderkredite

Auch Förderdarlehen sind nicht automatisch von der Zinsentwicklung abgekoppelt. Die Konditionen können sich je nach Programm, Laufzeit, Risikoklasse und Zeitpunkt der Zusage verändern.

Entscheidend ist daher nicht nur, ob ein Förderprogramm grundsätzlich verfügbar ist, sondern zu welchen endgültigen Bedingungen die Hausbank und der Förderkreditgeber finanzieren.

Zinsstresstest: So stark steigt die jährliche Belastung

Die einfachste Berechnung lautet:

Zusätzliche jährliche Zinsbelastung = Kreditrestschuld × Zinsanstieg

Kreditrestschuld +0,25 Prozentpunkte +0,50 Prozentpunkte +1,00 Prozentpunkt +2,00 Prozentpunkte
250.000 Euro 625 Euro 1.250 Euro 2.500 Euro 5.000 Euro
500.000 Euro 1.250 Euro 2.500 Euro 5.000 Euro 10.000 Euro
1.000.000 Euro 2.500 Euro 5.000 Euro 10.000 Euro 20.000 Euro
2.000.000 Euro 5.000 Euro 10.000 Euro 20.000 Euro 40.000 Euro
5.000.000 Euro 12.500 Euro 25.000 Euro 50.000 Euro 100.000 Euro

Die Tabelle zeigt nur die zusätzliche Verzinsung der jeweiligen Restschuld. Tilgung, Gebühren, Bereitstellungszinsen und mögliche Veränderungen der Kreditstruktur sind noch nicht berücksichtigt.

Bei einer Million Euro Kreditrestschuld entsprechen 25 Basispunkte rund 208 Euro zusätzlicher Belastung pro Monat. Ein Anstieg um einen Prozentpunkt erhöht die Kosten dagegen bereits um rund 833 Euro monatlich.

Praxisbeispiel: Wann der Zinsanstieg zum Covenant-Problem wird

Ein Unternehmen hat folgende Ausgangslage:

  • Verzinsliche Finanzverbindlichkeiten: 2 Millionen Euro
  • Durchschnittlicher Kreditzins: 4,0 Prozent
  • Jährliche Zinskosten: 80.000 Euro
  • Jährliche Tilgung: 120.000 Euro
  • Für den Kapitaldienst verfügbarer Cashflow: 270.000 Euro
  • Gesamter Kapitaldienst: 200.000 Euro

Die Kapitaldienstdeckungsquote, häufig als Debt Service Coverage Ratio oder DSCR bezeichnet, beträgt:

270.000 Euro ÷ 200.000 Euro = 1,35

Das Unternehmen erwirtschaftet damit für jeden Euro Kapitaldienst 1,35 Euro verfügbaren Cashflow.

Szenario Zinskosten Gesamter Kapitaldienst Verfügbarer Cashflow DSCR Liquiditätspuffer
Ausgangslage bei 4,00 % 80.000 Euro 200.000 Euro 270.000 Euro 1,35 70.000 Euro
Zinsanstieg um 0,25 Punkte 85.000 Euro 205.000 Euro 270.000 Euro 1,32 65.000 Euro
Zinsanstieg um 1,00 Punkt 100.000 Euro 220.000 Euro 270.000 Euro 1,23 50.000 Euro
Zinsanstieg um 2,00 Punkte 120.000 Euro 240.000 Euro 270.000 Euro 1,13 30.000 Euro
+2,00 Punkte und Cashflow −10 % 120.000 Euro 240.000 Euro 243.000 Euro 1,01 3.000 Euro

Der letzte Fall zeigt das eigentliche Risiko. Der Zinsanstieg allein bringt das Unternehmen noch nicht unmittelbar in Zahlungsprobleme. Kommt jedoch gleichzeitig ein Umsatzrückgang, eine schwächere Marge oder ein verspäteter Zahlungseingang hinzu, verschwindet der Liquiditätspuffer fast vollständig.

Ist im Kreditvertrag beispielsweise eine Mindest-DSCR vereinbart, kann außerdem ein Covenant-Verstoß eintreten. Die konkrete Schwelle hängt ausschließlich vom jeweiligen Vertrag ab.

So erstellen Unternehmen einen belastbaren Zinsstresstest

1. Sämtliche Finanzierungen erfassen

Für jeden Kredit sollten mindestens folgende Angaben zusammengestellt werden:

  • Aktuelle Restschuld
  • Zinssatz
  • Fester oder variabler Zins
  • Referenzzinssatz und Bankmarge
  • Nächster Zinsanpassungstermin
  • Ende der Zinsbindung
  • Vertragslaufzeit
  • Monatliche oder quartalsweise Tilgung
  • Sondertilgungsmöglichkeiten
  • Sicherheiten
  • Kündigungsrechte
  • Covenants und Berichtspflichten

Auch Kontokorrentlinien, Leasing, Factoring, Avale und Gesellschafterdarlehen gehören in die Übersicht.

2. Fälligkeiten für mindestens 24 Monate darstellen

Ein Fälligkeitenkalender zeigt, wann welche Finanzierung verlängert, zurückgezahlt oder neu verhandelt werden muss.

Besonders kritisch sind Zeiträume, in denen mehrere Belastungen zusammenfallen, etwa:

  • Kreditprolongation
  • Steuernachzahlung
  • Urlaubs- oder Weihnachtsgeld
  • Saisonaler Lageraufbau
  • Größere Investition
  • Rückzahlung eines Gesellschafterdarlehens
  • Auslaufen einer Förderfinanzierung

3. Mindestens vier Zinsszenarien rechnen

Eine vernünftige Planung sollte nicht nur den möglichen September-Schritt abbilden.

Sinnvolle Szenarien sind:

  • Basisszenario mit aktuellen Konditionen
  • Zinsanstieg um 0,25 Prozentpunkte
  • Zinsanstieg um 1,00 Prozentpunkt
  • Zinsanstieg um 2,00 Prozentpunkte

Für Unternehmen mit variablen Krediten oder schwacher Bonität kann zusätzlich ein Extremszenario von drei Prozentpunkten sinnvoll sein.

4. Einen operativen Rückgang ergänzen

Ein reiner Zinsstresstest greift zu kurz. Finanzierungsprobleme entstehen meistens aus einer Kombination mehrerer Faktoren.

Zusätzlich sollten daher beispielsweise gerechnet werden:

  • Umsatzrückgang um 5 oder 10 Prozent
  • Verringerung der Rohertragsmarge
  • Anstieg der Personalkosten
  • Forderungsausfälle
  • Verlängerte Zahlungsziele der Kunden
  • Höhere Energie- oder Materialkosten
  • Verlust eines wichtigen Auftraggebers

5. Kapitaldienst und Liquidität monatlich prüfen

Eine Jahresbetrachtung kann kritische Monate verdecken. Entscheidend ist, ob das Unternehmen seine Zahlungen zu jedem Fälligkeitstermin leisten kann.

Geeignet ist eine rollierende Liquiditätsplanung über mindestens 13 Wochen, ergänzt um eine monatliche Planung für die folgenden zwölf bis 24 Monate.

6. Covenant-Spielräume berechnen

Unternehmen mit vertraglichen Finanzkennzahlen sollten nicht nur prüfen, ob sie die Vorgaben heute erfüllen.

Entscheidend ist der Abstand zur vereinbarten Mindest- oder Höchstgrenze. Je geringer dieser Spielraum, desto früher sollte das Gespräch mit der Bank gesucht werden.

EZB Zinserhöhung September 2026

EZB Zinserhöhung September 2026

Welche Unternehmen besonders gefährdet sind

Besonders sorgfältig sollten Unternehmen rechnen, bei denen mehrere der folgenden Merkmale zusammentreffen:

  • Hoher Anteil variabel verzinster Kredite
  • Prolongation innerhalb der nächsten zwölf Monate
  • Dauerhafte Ausschöpfung der Kontokorrentlinie
  • Niedrige Eigenkapitalquote
  • Rückläufiges Betriebsergebnis
  • Hohe Abhängigkeit von wenigen Kunden
  • Lange Zahlungsziele oder steigende Forderungsbestände
  • Hoher Lagerbestand
  • Bereits gestundete Steuern oder Sozialversicherungsbeiträge
  • Hoher Investitions- oder Sanierungsbedarf
  • Zusätzliche persönliche Bürgschaften des Geschäftsführers
  • Branchenspezifisch verschärfte Kreditrichtlinien

Gerade Immobilienunternehmen, produzierende Betriebe und Handelsunternehmen sollten die Entwicklung aufmerksam beobachten, weil Banken ihre Kreditrichtlinien in diesen Bereichen zuletzt besonders stark verschärft haben.

Was Unternehmen vor der EZB-Sitzung tun sollten

Refinanzierung nicht aufschieben

Wer in den kommenden zwölf Monaten eine Anschlussfinanzierung benötigt, sollte nicht bis zur Fälligkeit warten. Banken benötigen Zeit für Bonitätsprüfung, Bewertung der Sicherheiten, interne Kreditentscheidungen und gegebenenfalls Gutachten.

Je größer der Zeitdruck, desto schwächer wird meist die Verhandlungsposition des Unternehmens.

Vollständige Bankunterlagen vorbereiten

Zu einer belastbaren Finanzierungsanfrage gehören typischerweise:

  • Aktuelle Jahresabschlüsse
  • Betriebswirtschaftliche Auswertungen
  • Summen- und Saldenlisten
  • Aktuelle Debitoren- und Kreditorenlisten
  • Liquiditätsplanung
  • Ertrags- und Finanzplanung
  • Auftragsbestand
  • Übersicht bestehender Kredite
  • Sicherheitenübersicht
  • Erläuterung wesentlicher Abweichungen
  • Maßnahmenplan bei Ergebnis- oder Liquiditätsproblemen

Unvollständige Unterlagen verlängern den Prozess und können bei der Bank den Eindruck erwecken, dass das Unternehmen seine finanzielle Lage nicht ausreichend kontrolliert.

Mehrere Finanzierungsvarianten vergleichen

Neben einer klassischen Prolongation können je nach Situation infrage kommen:

  • Umschuldung
  • Aufteilung auf mehrere Laufzeiten
  • Kombination aus Fest- und Variabelzins
  • Förderdarlehen
  • Factoring
  • Leasing
  • Verkauf nicht betriebsnotwendiger Vermögenswerte
  • Sale-and-lease-back
  • Gesellschaftereinlage
  • Nachrangdarlehen
  • Beteiligungskapital
  • Anpassung der Tilgungsstruktur

Nicht jede Alternative ist günstiger. Entscheidend ist, ob sie die Liquidität stabilisiert und zum Geschäftsmodell passt.

Bankmarge verhandeln, nicht nur den Referenzzins

Der Euribor oder ein anderer Marktzinssatz ist meist nur ein Teil der Kondition. Verhandelbar können auch sein:

  • Bankmarge
  • Tilgungshöhe
  • Laufzeit
  • Bereitstellungszins
  • Sondertilgungsrechte
  • Covenants
  • Sicherheitenfreigaben
  • Berichtspflichten
  • Gebühren

Eine bessere Darstellung der Unternehmensplanung kann wirtschaftlich mehr bewirken als das Warten auf eine geringfügige Veränderung des EZB-Zinses.

Festzins oder variable Verzinsung?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht.

Ein Festzins bietet Kalkulationssicherheit. Das Unternehmen kennt seine Belastung über die vereinbarte Zinsbindung. Dafür kann die Bank einen Aufschlag verlangen, und das Unternehmen profitiert während der Bindung nicht automatisch von später sinkenden Marktzinsen.

Ein variabler Zins kann flexibler sein und erlaubt je nach Vertrag leichtere Rückzahlungen. Gleichzeitig trägt das Unternehmen das Risiko weiterer Zinserhöhungen.

Die Entscheidung sollte insbesondere berücksichtigen:

  • Tragfähigkeit höherer Zinsen
  • Erwartete Kreditlaufzeit
  • Geplante Sondertilgungen
  • Schwankungsanfälligkeit des operativen Cashflows
  • Höhe des Liquiditätspuffers
  • Verhältnis von variabler zu festverzinslicher Verschuldung
  • Kosten einer möglichen Zinsabsicherung

Unternehmen sollten die Entscheidung nicht als Wette auf die nächste EZB-Sitzung betrachten. Entscheidend ist, welche Zinsstruktur das Unternehmen auch in einem ungünstigen Szenario tragen kann.

Warnsignale, bei denen sofort gehandelt werden sollte

Ein Zinsanstieg wird besonders gefährlich, wenn bereits andere Liquiditätsprobleme bestehen.

Dringender Prüfungsbedarf besteht unter anderem, wenn:

  • die Kontokorrentlinie dauerhaft nahezu vollständig ausgeschöpft ist,
  • fällige Rechnungen nur noch verzögert bezahlt werden,
  • Lieferanten kürzere Zahlungsziele verlangen,
  • Steuern oder Sozialversicherungsbeiträge nicht pünktlich gezahlt werden können,
  • eine Kreditlinie ausläuft und noch keine Anschlusszusage vorliegt,
  • Covenants nur noch knapp eingehalten werden,
  • Tilgungen aus neuen Krediten finanziert werden sollen,
  • die Bank zusätzliche Sicherheiten fordert,
  • eine Prolongation nur noch unter deutlich schlechteren Bedingungen angeboten wird.

In diesem Stadium reicht ein allgemeiner Jahresplan häufig nicht mehr aus. Erforderlich sind eine kurzfristige Liquiditätsvorschau, eine belastbare Kapitaldienstrechnung und gegebenenfalls eine rechtliche Prüfung der Krisensituation.

Häufige Fragen zur EZB-Zinserhöhung im September 2026

Wird die EZB den Zins im September 2026 definitiv erhöhen?

Nein. Eine Mehrheit der befragten Ökonomen erwartet die Erhöhung, aber die Entscheidung trifft der EZB-Rat erst auf seiner Sitzung am 10. September 2026.

Wie hoch ist der aktuelle EZB-Einlagensatz?

Der Einlagensatz liegt derzeit bei 2,25 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz beträgt 2,40 Prozent.

Wie stark soll der Zins steigen?

Die Mehrheit der befragten Ökonomen erwartet eine Erhöhung um 25 Basispunkte beziehungsweise 0,25 Prozentpunkte. Der Einlagensatz würde damit auf 2,50 Prozent steigen.

Was kostet eine Zinserhöhung um 0,25 Prozent bei einer Million Euro Kredit?

Bei unveränderter Restschuld steigen die jährlichen Zinskosten um 2.500 Euro beziehungsweise rund 208 Euro pro Monat.

Werden bestehende Festzinskredite sofort teurer?

Während einer vertraglich vereinbarten Festzinsperiode bleibt der Zinssatz grundsätzlich unverändert. Die höhere Belastung kann bei der nächsten Prolongation oder nach Ablauf der Zinsbindung entstehen.

Werden variable Firmenkredite sofort teurer?

Das hängt vom Vertrag und vom vereinbarten Anpassungstermin ab. Bei einer Euriborbindung wird der Zinssatz häufig alle drei oder sechs Monate angepasst.

Bleiben die Zinsen bis 2027 hoch?

Nach der zugrunde liegenden Ökonomenumfrage erwartet eine Mehrheit, dass der Einlagensatz nach einer möglichen September-Erhöhung mindestens bis zum dritten Quartal 2027 bei 2,50 Prozent bleibt. Das ist eine Prognose und keine Zusage der EZB.

Sollte eine Prolongation noch vor der EZB-Entscheidung abgeschlossen werden?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Die erwartete Zinserhöhung kann bereits in aktuellen Konditionen berücksichtigt sein. Entscheidend sind Gesamtzins, Bankmarge, Sicherheiten, Laufzeit, Tilgung, Gebühren und die langfristige Tragfähigkeit.

Nicht die 25 Basispunkte sind das größte Risiko

Eine mögliche EZB-Zinserhöhung auf 2,50 Prozent wäre für sich genommen für viele Unternehmen beherrschbar. Gefährlich wird sie dort, wo hohe Verschuldung, geringe Margen, rückläufige Cashflows und anstehende Prolongationen zusammentreffen.

Unternehmer sollten deshalb nicht versuchen, die EZB-Entscheidung vorherzusagen. Sie sollten klären, ob ihr Unternehmen auch bei einem um ein oder zwei Prozentpunkte höheren Kreditzins noch ausreichend Liquidität erwirtschaftet.

Wer frühzeitig rechnet, vollständige Unterlagen vorbereitet und mehrere Finanzierungsoptionen prüft, behält Verhandlungsspielraum. Wer erst handelt, wenn eine Kreditlinie gekürzt, eine Prolongation abgelehnt oder ein Covenant verletzt wurde, verhandelt dagegen unter erheblichem Zeitdruck.

Finanzierung oder Prolongation wird kritisch?

Steht in Ihrem Unternehmen eine Anschlussfinanzierung an, steigen die Zinskosten oder verlangt die Bank zusätzliche Sicherheiten, sollte die gesamte Finanzierungsstruktur geprüft werden.

Eine belastbare Analyse umfasst nicht nur den angebotenen Zinssatz, sondern auch Liquidität, Kapitaldienstfähigkeit, Fälligkeiten, Covenants und mögliche Alternativen. Je früher finanzielle Engpässe erkannt werden, desto größer ist der verbleibende Handlungsspielraum.

Eine Mehrheit der Ökonomen erwartet im September 2026 eine weitere EZB-Zinserhöhung. Für Unternehmen geht es nicht nur um 25 Basispunkte, sondern um Prolongationen, Bankmargen, Sicherheiten und Kapitaldienstfähigkeit. Der Ratgeber zeigt mit konkreten Berechnungen, wie Firmen ihre Finanzierung einem realistischen Zinsstresstest unterziehen.

Quellen und weiterführende Informationen

Reuters: Ökonomenumfrage vom 13. August 2026 zur erwarteten EZB-Zinserhöhung und zum prognostizierten Zinspfad bis 2027

https://www.reuters.com/business/ecb-set-deliver-final-rate-hike-next-month-shortest-tightening-drive-since-2011-2026-08-13/

Europäische Zentralbank: Geldpolitische Entscheidung vom 23. Juli 2026 und aktuelle Leitzinsen

https://www.ecb.europa.eu/press/pr/date/2026/html/ecb.mp260723~29f24d99bc.en.html

Europäische Zentralbank: Sitzungskalender des EZB-Rats

https://www.ecb.europa.eu/press/calendars/mgcgc/html/index.en.html

Europäische Zentralbank: Zinsstatistik für neue Unternehmenskredite, Stand Juni 2026

https://www.ecb.europa.eu/press/stats/mfi/html/ecb.mir260731~208a979498.en.html

Deutsche Bundesbank: Ergebnisse der Umfrage zum Kreditgeschäft in Deutschland

https://www.bundesbank.de/de/presse/pressemitteilungen/juli-ergebnisse-der-umfrage-zum-kreditgeschaeft-bank-lending-survey-in-deutschland-941390

Europäische Zentralbank: Unternehmensumfrage zu Finanzierungskosten und Kreditverfügbarkeit im zweiten Quartal 2026

https://www.ecb.europa.eu/press/pr/date/2026/html/ecb.pr260720~cafc3874a7.en.html