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Kommunen am Limit – kommunale Finanzkrise

23. Juni 2026 / Unternehmer Retter

Kommunen am Limit: Warum die kommunale Finanzkrise jetzt zur Unternehmenskrise werden kann

Stand: 23. Juni 2026

Wenn Kommunen öffentlich um Hilfe rufen, ist das für Unternehmer kein politisches Hintergrundrauschen. Es ist ein Standortsignal. Und zwar kein gutes.

Städte, Landkreise und Gemeinden sind nicht nur Verwaltung. Sie sind Auftraggeber, Genehmigungsbehörde, Infrastrukturträger, Flächeneigentümer, Gebührenfestsetzer, Kita- und Schulträger, ÖPNV-Finanzierer, Krankenhausgesellschafter, Stadtwerke-Eigentümer und oft auch indirekter Wirtschaftspartner.

Wenn diese Ebene finanziell ausblutet, spürt es der Mittelstand zuerst: verspätete Projekte, gestrichene Investitionen, steigende Gebühren, höhere Hebesätze, weniger Kaufkraft, längere Verwaltungsprozesse und mehr Unsicherheit bei öffentlichen Aufträgen.

Genau darum ist der bundesweite Aktionstag „Kommunen am Limit“ mehr als ein Hilferuf aus Rathäusern. Die drei kommunalen Spitzenverbände – Deutscher Städtetag, Deutscher Landkreistag und Deutscher Städte- und Gemeindebund – machen auf die dramatische Finanzlage aufmerksam und fordern Bund und Länder zum Gegensteuern auf.

Für Unternehmer in wirtschaftlichen Schwierigkeiten lautet die entscheidende Frage nicht: „Ist das kommunale Problem wirklich so schlimm?“

Die Frage lautet: Wie stark hängt mein Unternehmen direkt oder indirekt an der finanziellen Leistungsfähigkeit meiner Kommune?

Und noch schärfer: Was passiert mit meiner Liquidität, wenn öffentliche Investitionen verschoben, Zuschüsse gekürzt, Gebühren erhöht oder kommunale Gesellschaften restrukturiert werden?

Kurzüberblick: Was Unternehmer jetzt wissen müssen

Die kommunale Finanzkrise ist kein isoliertes Verwaltungsproblem. Sie kann für Unternehmen zu einem handfesten Liquiditäts-, Absatz- und Standortproblem werden.

Die wichtigsten Punkte:

  • Die Gemeinden und Gemeindeverbände verzeichneten 2025 ein Finanzierungsdefizit von rund 31,9 Milliarden Euro.
  • Für 2026 wird erneut mit einem Defizit von rund 30 Milliarden Euro gerechnet.
  • Der kommunale Investitionsrückstand liegt bei mehr als 230 Milliarden Euro.
  • Besonders betroffen sind Schulen, Straßen, Brücken, Verwaltungsgebäude, Sportstätten, Katastrophenschutz und digitale Infrastruktur.
  • Eine Einkommensteuerreform kann die Lage zusätzlich verschärfen, weil Gemeinden am Aufkommen der Einkommensteuer beteiligt sind.
  • Für krisenbelastete Unternehmen ist jetzt eine kommunale Risikoanalyse notwendig.

Der nüchterne Befund: Wer als Unternehmer die kommunale Finanzkrise ignoriert, unterschätzt einen realen externen Sanierungsfaktor.

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Was bedeutet „Kommunen am Limit“?

„Kommunen am Limit“ bezeichnet die finanzielle Überlastung von Städten, Gemeinden und Landkreisen durch strukturelle Defizite, steigende Pflichtausgaben, hohe Sozialkosten, wachsende Personalkosten, Investitionsrückstände und unzureichende Finanzierung durch Bund und Länder.

Dabei geht es nicht um eine normale Haushaltsdelle. Kommunen können einzelne schlechte Jahre verkraften. Gefährlich wird es, wenn sich Defizite verstetigen, Rücklagen aufgebraucht sind, Kassenkredite steigen und Investitionen nur noch durch neue Schulden oder Sonderprogramme möglich werden.

Für Unternehmer ist wichtig: Eine Kommune wird nicht wie eine GmbH insolvent. Das Insolvenzverfahren über das Vermögen des Bundes oder eines Landes ist unzulässig. Bei juristischen Personen des öffentlichen Rechts unter Landesaufsicht kann Landesrecht die Insolvenz ebenfalls ausschließen.

Das bedeutet aber nicht, dass kommunale Finanznot folgenlos bleibt. Sie verlagert sich nur anders.

Typische Folgen sind:

  • Haushaltsgenehmigungen dauern länger.
  • Freiwillige Leistungen werden gekürzt.
  • Investitionen werden verschoben.
  • Gebühren und Abgaben steigen.
  • Zuschüsse werden überprüft.
  • Öffentliche Aufträge werden enger kalkuliert.
  • Kommunale Gesellschaften geraten unter Druck.
  • Verwaltungskapazitäten werden langsamer oder teurer.

Für Unternehmen ist das oft gefährlicher als eine klare Insolvenzmeldung. Denn die Belastung kommt nicht als ein Ereignis. Sie kommt als schleichende Verschlechterung der Rahmenbedingungen.

Kommunen am Limit Infografik

Kommunen am Limit Infografik

Warum die kommunale Finanzkrise Unternehmer direkt betrifft

Viele Unternehmer unterschätzen, wie tief ihr Geschäftsmodell mit der Kommune verbunden ist. Selbst wer nie einen öffentlichen Auftrag hatte, hängt an kommunaler Leistungsfähigkeit.

Ein Produktionsbetrieb braucht Gewerbeflächen, Straßen, Genehmigungen, Brandschutz, Energie- und Wasserversorgung. Ein Bauunternehmen lebt oft von kommunalen Sanierungen, Schulen, Kitas, Straßen und Sporthallen. Ein Pflegedienst, Sozialträger oder Kita-Betreiber hängt an Entgelten, Zuschüssen, Leistungsvereinbarungen und Verwaltungsentscheidungen.

Ein Hotel, Gastronom oder Händler spürt es, wenn Innenstädte veröden, Parkgebühren steigen, Veranstaltungen wegfallen oder der ÖPNV reduziert wird.

Aus Sanierungssicht ist die Kommune deshalb kein abstrakter Staatsteil. Sie ist Teil der unternehmerischen Wertschöpfungskette.

Die Kommune wirkt auf fünf Ebenen

1. Als Auftraggeber

Kommunen vergeben Bau-, Dienstleistungs-, IT-, Facility-, Beratungs-, Sicherheits-, Sozial- und Lieferaufträge.

Wenn Haushalte gesperrt oder Investitionen verschoben werden, bricht Pipeline-Umsatz weg. Für Unternehmen, die stark von kommunalen Ausschreibungen leben, kann das unmittelbar liquiditätsgefährdend werden.

2. Als Kostenfaktor

Gewerbesteuer, Grundsteuer, Gebühren, Beiträge, Sondernutzungen, Parkraumbewirtschaftung, Abfall, Wasser, Abwasser und Genehmigungskosten können steigen.

Was für die Kommune Einnahmeverbesserung ist, ist für Unternehmen häufig Margendruck.

3. Als Infrastrukturträger

Straßen, Brücken, Schulen, Verwaltungsgebäude, Gewerbegebiete, ÖPNV und digitale Verwaltung beeinflussen Produktivität, Standortqualität und Personalgewinnung.

Schlechte Infrastruktur ist kein abstrakter Standortnachteil. Sie kostet Zeit, Geld und Wettbewerbsfähigkeit.

4. Als Genehmigungs- und Verwaltungsinstanz

Wer erweitert, umbaut, umnutzt, einstellt oder investiert, braucht oft kommunale Prozesse.

Finanz- und Personaldruck verlängern Entscheidungen. In einer Unternehmenskrise kann genau diese Verzögerung den Sanierungsplan gefährden.

5. Als Eigentümer kommunaler Unternehmen

Stadtwerke, ÖPNV-Betriebe, Wohnungsbaugesellschaften, Bäder, Kulturgesellschaften, Kliniken oder Entsorger können selbst in Restrukturierungsdruck geraten.

Für Unternehmer ist entscheidend: Vertragspartner ist nicht immer die Kommune selbst. Eine kommunale GmbH ist rechtlich anders zu bewerten als die Gebietskörperschaft.

Die aktuelle Lage: Defizit, Investitionsstau und neue Steuerunsicherheit

Die Zahlen sind ungewöhnlich deutlich. Für 2025 wurde ein kommunales Finanzierungsdefizit von rund 31,9 Milliarden Euro gemeldet. Die Ausgaben stiegen stärker als die Einnahmen. Besonders stark wuchsen unter anderem Personal- und Sozialausgaben.

Auch für die kommenden Jahre wird mit hohen Fehlbeträgen gerechnet. Für 2026 liegt die erwartete Größenordnung bei knapp 30 Milliarden Euro. Bis 2029 könnten sich die Defizite auf fast 120 Milliarden Euro summieren.

Das ist keine klassische Konjunkturdelle mehr. Das ist ein strukturelles Loch.

Parallel wächst der Investitionsstau. Der wahrgenommene kommunale Investitionsrückstand liegt bei über 230 Milliarden Euro. Besonders betroffen sind Schulen, Straßen, Sportstätten, Katastrophenschutz, Verwaltungsgebäude, Brücken und digitale Infrastruktur.

Zwar planen Kommunen weiterhin Investitionen. Doch geplante Investitionen sind noch keine gebauten Straßen, sanierten Schulen oder bezahlten Aufträge. In der Praxis bremsen Genehmigungsprozesse, Vergaben, Personalmangel, Kostensteigerungen und fehlende Eigenmittel.

Hinzu kommt die geplante Einkommensteuerreform. Wenn kleine und mittlere Einkommen entlastet werden, kann das erhebliche Steuerausfälle verursachen. Da Gemeinden am Aufkommen der Einkommensteuer beteiligt sind, trifft jede größere Entlastung ohne vollständigen Ausgleich auch die kommunalen Haushalte.

Für Unternehmer bedeutet das: Der finanzielle Druck auf Kommunen könnte sich weiter verschärfen, selbst wenn die Reform für Arbeitnehmer kurzfristig entlastend wirkt.

Ursachen der kommunalen Finanzkrise

Die Krise hat nicht eine Ursache. Sie ist das Ergebnis mehrerer Belastungen, die gleichzeitig wirken.

1. Steigende Sozialausgaben

Kommunen tragen erhebliche Kosten für soziale Leistungen, Jugendhilfe, Eingliederungshilfe, Unterkunftskosten und kommunale Sozialinfrastruktur.

Viele dieser Aufgaben beruhen auf bundes- oder landesrechtlichen Vorgaben. Die Kommune muss leisten, hat aber nicht immer Einfluss auf Umfang, Standards oder Dynamik der Kosten.

Das ist aus Unternehmenssicht vergleichbar mit einem Geschäftsmodell, bei dem der Umsatz gedeckelt ist, während der Gesetzgeber die Kostenstruktur festlegt. Kein Sanierungsberater würde das lange für tragfähig halten.

2. Wachsende Personalkosten

Verwaltung, Kitas, Schulen, Bauämter, Sozialämter, Feuerwehr, Ordnungsdienste und technische Dienste benötigen Personal.

Tariferhöhungen, Fachkräftemangel und steigende Anforderungen erhöhen die Kosten. Gleichzeitig fehlen vielerorts qualifizierte Kräfte, etwa in Bauämtern, Kämmereien oder Vergabestellen.

Die Folge: Nicht nur Geld fehlt. Auch Umsetzungskapazität fehlt.

Für Unternehmer bedeutet das: Selbst bewilligte Mittel kommen oft nicht schnell genug in reale Projekte.

3. Investitionsstau bei Infrastruktur

Straßen, Brücken, Schulen, Sportstätten, Verwaltungsgebäude und Katastrophenschutz wurden über Jahre nicht ausreichend modernisiert. Der Rückstand wird nicht kleiner, wenn Wartung ausfällt. Er wird teurer.

Ein Unternehmen kennt diesen Mechanismus: Wer Maschinenwartung spart, spart nicht wirklich. Er verschiebt Kosten in die Zukunft – mit Zinsen.

Bei Kommunen funktioniert es ähnlich. Nur sind die Folgen breiter: marode Straßen, gesperrte Brücken, sanierungsbedürftige Schulen, überlastete Verwaltungsgebäude und sinkende Standortqualität.

4. Schwache Konjunktur und volatile Gewerbesteuer

Die Gewerbesteuer ist eine wichtige kommunale Einnahmequelle. Sie reagiert empfindlich auf Konjunktur, Unternehmensgewinne, Standortentscheidungen und Branchenschwächen.

Wenn regionale Schlüsselbetriebe weniger verdienen, sinkt kommunale Finanzkraft oft genau dann, wenn soziale Belastungen steigen.

Für Unternehmer entsteht daraus ein doppelter Effekt: Die Kommune hat weniger Spielraum, während die lokale Wirtschaft selbst unter Druck steht.

5. Aufgabenverlagerung ohne auskömmliche Finanzierung

Bund und Länder beschließen regelmäßig Aufgaben, Standards und Rechtsansprüche, die vor Ort umgesetzt werden müssen.

Die Kritik der Kommunen lautet: Wer neue Aufgaben bestellt, muss sie auch dauerhaft und dynamisch finanzieren.

Das ist der Kern des Konnexitätsproblems: Wer bestellt, soll bezahlen. In der Praxis sieht es oft komplizierter aus. Die Rechnung landet vor Ort.

6. Zins- und Schuldeneffekte

Wenn Defizite nicht aus Rücklagen gedeckt werden können, steigen Kredite. Steigende Kredite erzeugen Zinsaufwand. Zinsaufwand verdrängt Investitionen.

Das ist die klassische Abwärtsspirale.

In Unternehmen nennt man das: Liquiditätsproblem wird Strukturproblem.

Kommunen am Limit

Kommunen am Limit

Risiken und Folgen für Unternehmen

Die kommunale Finanzkrise wirkt nicht überall gleich. Ein Softwareanbieter für Industrieunternehmen ist anders betroffen als ein Tiefbauer, ein Pflegeanbieter oder ein Innenstadthändler.

Aber fast jedes Unternehmen hat Berührungspunkte.

Risiko 1: Öffentliche Aufträge werden verschoben

Bauvorhaben, Sanierungen, Digitalisierungsprojekte, energetische Modernisierungen oder Beschaffungen können später starten, kleiner ausgeschrieben oder ganz gestrichen werden.

Für Unternehmen mit hoher kommunaler Auftraggeberquote ist das gefährlich. Die Fixkosten laufen weiter, aber der Auftragseingang verschiebt sich.

Das lässt sich in der GuV oft noch kaschieren. In der Liquidität nicht.

Risiko 2: Margen geraten unter Druck

Kommunen müssen sparen. Das führt nicht automatisch zu Dumpingpreisen, aber zu härteren Budgets, engeren Leistungsbeschreibungen und mehr Wettbewerb um weniger Projekte.

Wer dann unter Selbstkosten anbietet, kauft sich Auslastung und verkauft Liquidität.

Das ist einer der häufigsten Fehler in Krisenmandaten.

Risiko 3: Zahlungs- und Abrechnungsprozesse dauern länger

Die öffentliche Hand bleibt grundsätzlich ein verlässlicher Schuldner. Dennoch können Prüfung, Abnahme, Nachtragsbearbeitung, Mittelabruf und Haushaltsfreigaben dauern.

Gerade bei Bau- und Dienstleistungsprojekten kann die Differenz zwischen Leistungserbringung und Zahlung existenzkritisch werden.

Das Problem ist nicht immer Forderungsausfall. Oft ist es Zwischenfinanzierung.

Risiko 4: Gebühren, Steuern und Standortkosten steigen

Kommunen mit Finanzdruck suchen eigene Einnahmequellen.

Typische Hebel sind:

  • Gebühren,
  • Beiträge,
  • Grundsteuer,
  • Gewerbesteuerhebesätze,
  • Sondernutzungsgebühren,
  • Parkgebühren,
  • Abfallentgelte,
  • Wasser- und Abwassergebühren,
  • kommunale Nutzungsentgelte.

Für Unternehmen mit niedriger Marge können solche Standortkosten der letzte Tropfen sein.

Nicht dramatisch in der Presse. Aber dramatisch in der Liquiditätsplanung.

Risiko 5: Förderungen und freiwillige Leistungen werden gekürzt

Kultur, Sport, Stadtmarketing, Wirtschaftsförderung, Vereinsförderung, Gründerprogramme, Innenstadtprojekte oder lokale Zuschüsse zählen häufig zu den Bereichen, die unter Spardruck geraten.

Das trifft nicht nur Vereine.

Es trifft Eventdienstleister, Gastronomie, Hotellerie, Einzelhandel, Sozialträger, Bildungsanbieter und lokale Dienstleister.

Risiko 6: Genehmigungen und Verwaltung dauern länger

Finanznot bedeutet nicht automatisch schlechte Verwaltung. Aber wenn Personal fehlt, Fachverfahren überlastet sind und Prioritäten auf Pflichtaufgaben liegen, dauern Genehmigungen, Ausschreibungen, Abnahmen oder Nutzungsänderungen länger.

Für Unternehmen in Restrukturierung kann Zeitverlust tödlich sein.

Ein Sanierungsplan, der von einer schnellen Betriebserweiterung, einem Standortwechsel oder einer Nutzungsgenehmigung abhängt, muss solche Verzögerungen einkalkulieren.

Risiko 7: Kommunale Beteiligungen geraten unter Druck

Stadtwerke, Bäder, ÖPNV, Kliniken, Kulturgesellschaften, Wohnungsbaugesellschaften oder Infrastrukturgesellschaften haben sehr unterschiedliche wirtschaftliche Tragfähigkeit.

Einige kommunale Unternehmen tragen sich selbst. Andere benötigen Ausgleichszahlungen, Zuschüsse oder Verlustübernahmen durch die Kommune.

Für Lieferanten und Dienstleister ist entscheidend: Vertragspartner ist nicht immer die Kommune selbst. Eine kommunale GmbH, ein Eigenbetrieb oder eine Beteiligungsgesellschaft muss wirtschaftlich gesondert betrachtet werden.

Sanierungsperspektive: Was Unternehmer jetzt konkret tun sollten

In Krisenlagen ist Hoffnung keine Strategie. Unternehmer brauchen Transparenz, Tempo und Handlungsoptionen.

Die kommunale Finanzkrise gehört in die externe Risikoanalyse jedes Unternehmens, das regional, öffentlich oder standortabhängig arbeitet.

Nicht als politischer Kommentar. Als betriebswirtschaftlicher Faktor.

Schritt 1: Kommunal-Exposure ermitteln

Zuerst muss klar sein, wie abhängig das Unternehmen von kommunalen Haushalten ist.

Prüfen Sie:

  • Wie viel Prozent des Umsatzes stammen direkt von Kommunen?
  • Wie viel Umsatz stammt von kommunalen Gesellschaften?
  • Welche offenen Forderungen bestehen gegenüber öffentlichen Auftraggebern?
  • Welche Aufträge hängen an Haushaltsfreigaben?
  • Welche Projekte sind freiwillige kommunale Leistungen?
  • Welche Umsätze hängen an Zuschüssen, Fördermitteln oder Leistungsvereinbarungen?
  • Welche Kostenpositionen sind kommunal beeinflusst?
  • Welche Genehmigungen sind für Umsatz, Expansion oder Sanierung kritisch?
  • Welche kommunalen Entscheidungen beeinflussen den Standort?
  • Welche Verträge laufen mit kommunalen Unternehmen statt mit der Kommune selbst?

In Sanierungsmandaten zeigt sich oft: Die Geschäftsführung kennt die größten Kunden, aber nicht die strukturelle Abhängigkeit von öffentlichen Budgets.

Das ist ein Blindflug.

Schritt 2: 13-Wochen-Liquiditätsplanung aufsetzen

Eine belastbare 13-Wochen-Liquiditätsplanung ist bei kommunalem Risiko Pflicht.

Sie zeigt, ob verspätete Zahlungen, verzögerte Projektstarts oder Nachtragsstreitigkeiten zur Zahlungsunfähigkeit führen können.

Wichtig sind drei Szenarien.

1. Basisszenario

Zahlungen und Aufträge laufen wie geplant. Rechnungen werden im normalen Rhythmus bezahlt. Neue Aufträge starten wie erwartet.

Dieses Szenario ist wichtig, aber gefährlich, wenn es allein betrachtet wird. Es zeigt nur, was passiert, wenn nichts schiefgeht.

2. Stressszenario

Zahlungen kommen 30 bis 60 Tage später. Neue Aufträge verzögern sich. Nachträge werden langsamer geprüft.

Dieses Szenario ist für viele kommunalabhängige Unternehmen realistischer als der ursprüngliche Plan.

3. Krisenszenario

Ein wesentlicher Auftrag wird verschoben. Eine Forderung bleibt länger offen. Gebühren, Steuerzahlungen oder Finanzierungskosten steigen. Gleichzeitig werden Banklinien enger.

Dieses Szenario entscheidet, ob das Unternehmen krisenfest ist oder nur auf Sicht fährt.

Wer diese Szenarien nicht rechnet, merkt zu spät, wann aus Ergebnisdruck Insolvenzreife wird.

Schritt 3: Insolvenzgründe laufend prüfen

Geschäftsführer müssen wirtschaftliche Krisen nicht nur managen, sondern rechtlich überwachen.

Zahlungsunfähigkeit liegt vor, wenn ein Unternehmen nicht in der Lage ist, seine fälligen Zahlungspflichten zu erfüllen.

Überschuldung ist bei juristischen Personen relevant, wenn das Vermögen die Verbindlichkeiten nicht mehr deckt und die Fortführung nicht überwiegend wahrscheinlich ist.

Bei Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung besteht für die Geschäftsleitung eine Insolvenzantragspflicht. Der Antrag ist bei Zahlungsunfähigkeit spätestens nach drei Wochen und bei Überschuldung spätestens nach sechs Wochen zu stellen.

Daneben verpflichtet das StaRUG Geschäftsleiter haftungsbeschränkter Unternehmen zur Krisenfrüherkennung und zum Krisenmanagement.

Das ist keine Formalie.

Wer kommunale Risiken ignoriert, obwohl sie planungsrelevant sind, gefährdet nicht nur das Unternehmen, sondern auch die eigene Haftungsposition.

Schritt 4: Auftragsbestand nach Haushaltsrisiko klassifizieren

Nicht jeder Auftrag ist gleich sicher. Unternehmen sollten öffentliche und kommunalnahe Projekte in Risikoklassen einteilen.

Kategorie A: Haushaltsgesichert und vertraglich belastbar

Das Projekt ist beauftragt. Mittel sind freigegeben. Der Vertrag ist unterschrieben. Zahlungsplan und Ansprechpartner sind klar.

Solche Projekte können grundsätzlich in die Planung aufgenommen werden, müssen aber trotzdem auf Zahlungs- und Abnahmerisiken geprüft werden.

Kategorie B: Politisch gewollt, aber haushalterisch unsicher

Das Projekt steht im Plan, ist aber noch nicht freigegeben oder kann verschoben werden.

Diese Projekte gehören nicht als sicherer Umsatz in die Liquiditätsplanung. Sie gehören in die Pipeline – mit Abschlag.

Kategorie C: Freiwillige Leistung oder Zuschussprojekt

Hier besteht hohe Kürzungsgefahr bei Haushaltsnotlage.

Solche Umsätze sollten besonders vorsichtig bewertet werden, insbesondere wenn sie für Personal- oder Fixkostenentscheidungen relevant sind.

Kategorie D: Nachtrag, Zusatzleistung oder Anschlussauftrag

Diese Positionen sind besonders kritisch, weil sie oft später geprüft, politisch diskutiert oder haushalterisch freigegeben werden.

Wer Nachträge nicht sauber dokumentiert, finanziert im Zweifel die Kommune vor.

Schritt 5: Forderungsmanagement verschärfen

Bei öffentlichen Auftraggebern wird oft zu zurückhaltend gemahnt. Das ist verständlich, aber gefährlich.

Professionelles Forderungsmanagement ist kein Angriff. Es ist kaufmännische Hygiene.

Sinnvoll sind:

  • klare Abschlagsrechnungen,
  • saubere Leistungsnachweise,
  • vollständige Dokumentation,
  • frühzeitige Abnahmeprotokolle,
  • konsequentes Nachtragsmanagement,
  • schriftliche Klärung offener Punkte,
  • regelmäßige Debitorenbesprechungen,
  • Eskalation über definierte Ansprechpartner,
  • feste interne Fristen für Mahnung und Nachverfolgung.

Besonders im Bau- und Projektgeschäft gilt: Was nicht dokumentiert ist, wird in der Krise zur Verhandlungsmasse.

Schritt 6: Keine Unterkostenangebote abgeben

Viele Unternehmer reagieren auf sinkende Nachfrage mit aggressiven Preisen. Das kann kurzfristig Auslastung sichern, aber mittelfristig die Sanierung zerstören.

Ein Auftrag ist nicht gut, nur weil er Umsatz bringt.

Ein Auftrag ist gut, wenn er nach Material, Personal, Vorfinanzierung, Nachtragsrisiko, Gewährleistung, Liquiditätsbindung und Verwaltungskosten einen positiven Deckungsbeitrag liefert.

Bei kommunalen Ausschreibungen ist Disziplin besonders wichtig.

Niedrige Preise plus lange Zahlungswege plus Nachtragsstreit sind eine toxische Mischung.

Schritt 7: Kundenmix diversifizieren

Wer mehr als 30 bis 40 Prozent seines Umsatzes aus kommunalen oder kommunalnahen Quellen bezieht, sollte Alternativen aufbauen.

Nicht panisch. Sondern geplant.

Mögliche Wege:

  • private Auftraggeber stärker bearbeiten,
  • Rahmenverträge mit Industrie und Gewerbe schließen,
  • Wartungs- und Servicegeschäft ausbauen,
  • regionale Abhängigkeit reduzieren,
  • wiederkehrende Umsätze priorisieren,
  • margenarme Projektspitzen abbauen,
  • Fördermittelabhängigkeit senken,
  • öffentliche Projekte nur noch mit ausreichender Marge annehmen,
  • neue Zielgruppen mit kürzeren Zahlungswegen erschließen.

Diversifikation ist keine Flucht aus dem öffentlichen Markt. Sie ist Risikosteuerung.

Schritt 8: Banken frühzeitig einbinden

Banken reagieren schlecht auf Überraschungen.

Wenn kommunale Auftragseinbrüche, Zahlungsverzögerungen oder Kostensteigerungen absehbar sind, sollten Finanzierungspartner früh informiert werden.

Dazu gehören:

  • aktualisierte BWA,
  • 13-Wochen-Liquiditätsplanung,
  • Auftragsbestand mit Risikoklassen,
  • Maßnahmenplan,
  • realistische Ergebnisplanung,
  • Darstellung der Sanierungsfähigkeit,
  • Erläuterung kommunaler Risiken,
  • konkrete Gegenmaßnahmen.

Ein Unternehmer, der Risiken sauber benennt und Gegenmaßnahmen zeigt, hat eine andere Verhandlungsposition als einer, der erst bei Kontoüberziehung erklärt, die Kommune zahle später.

Schritt 9: Kostenstruktur anpassen

Kommunale Finanzkrisen treffen häufig projektbasierte Geschäftsmodelle. Dort ist die Kostenstruktur oft zu starr: Personal, Maschinen, Mieten, Leasing, Subunternehmerbindungen, Fuhrpark, Lager, Verwaltung.

Restrukturierung bedeutet dann nicht pauschales Sparen.

Es bedeutet, Fixkosten in ein Umsatzmodell zu bringen, das auch bei verzögerten öffentlichen Aufträgen tragfähig bleibt.

Prüfen Sie:

  • Welche Kosten sind wirklich fix?
  • Welche Kapazitäten sind nicht ausgelastet?
  • Welche Standorte tragen nicht?
  • Welche Maschinen sind liquiditätsbindend?
  • Welche Leistungen können variabilisiert werden?
  • Welche Produkte oder Aufträge erzeugen nur Umsatz, aber keinen Cashflow?
  • Welche Verträge können nachverhandelt werden?
  • Welche Kostenpositionen sind historisch gewachsen, aber strategisch nicht mehr nötig?

Der trockenste Satz in der Sanierung bleibt der wahrste:

Umsatz bezahlt keine Rechnungen. Liquidität bezahlt Rechnungen.

Strategische Optionen im Vergleich

Operative Restrukturierung

Eine operative Restrukturierung ist sinnvoll, wenn die Krise früh erkannt wird und die Liquidität noch steuerbar ist.

Sie umfasst Kostenanpassungen, Prozessverbesserungen, Forderungsmanagement, Margensteuerung, Personalmaßnahmen, Finanzierungsanpassungen und strategische Neuausrichtung.

Der Vorteil: Sie ist diskret, schnell und bleibt vollständig unternehmerisch steuerbar.

Der Nachteil: Bei hoher Altschuldenlast oder bereits eingetretener Insolvenzreife reicht sie oft nicht mehr aus.

Außergerichtlicher Vergleich

Ein außergerichtlicher Vergleich kann sinnvoll sein, wenn die Gläubigerstruktur überschaubar ist und wesentliche Gläubiger gesprächsbereit sind.

Der Vorteil liegt in Flexibilität und geringerer Öffentlichkeitswirkung.

Der Nachteil: Außergerichtliche Lösungen scheitern häufig an einzelnen blockierenden Gläubigern.

StaRUG-Restrukturierung

Das StaRUG kann geeignet sein, wenn eine drohende Zahlungsunfähigkeit besteht, aber noch keine Insolvenzreife eingetreten ist.

Es ermöglicht unter bestimmten Voraussetzungen eine Restrukturierung gegen den Widerstand einzelner Gläubigergruppen.

Der Vorteil: Mehrheitsentscheidungen können reichen, um eine finanzielle Restrukturierung durchzusetzen.

Der Nachteil: Das Verfahren erfordert belastbare Planung, saubere Vorbereitung und ein tragfähiges Restrukturierungskonzept.

Eigenverwaltung

Die Eigenverwaltung kommt in Betracht, wenn Insolvenzreife eingetreten ist, aber ein sanierungsfähiger Unternehmenskern besteht.

Das Unternehmen bleibt unter gerichtlichem Schutz handlungsfähig. Die Geschäftsführung kann den Sanierungsprozess weiterhin maßgeblich steuern.

Der Vorteil: Altlasten können strukturiert bereinigt werden.

Der Nachteil: Das Verfahren ist reputationssensibel und muss professionell vorbereitet werden.

Schutzschirmverfahren

Das Schutzschirmverfahren eignet sich für Unternehmen, die frühzeitig handeln und ihre Sanierung vorbereitet angehen.

Es kann eine geordnete Sanierung unter gerichtlichem Schutz ermöglichen.

Der Vorteil: Das Unternehmen erhält Zeit und Struktur für die Neuaufstellung.

Der Nachteil: Es ist nicht geeignet, wenn die Liquiditätslage bereits chaotisch ist oder keine belastbare Fortführungsperspektive besteht.

M&A oder Investoreneinstieg

Ein Investoreneinstieg kann sinnvoll sein, wenn Kapital, Know-how, Nachfolge oder Marktzugang fehlen.

Der Vorteil: Frische Liquidität und strategische Stabilisierung können die Fortführung sichern.

Der Nachteil: Unternehmer geben Kontrolle ab und müssen mit Bewertungsdruck rechnen.

Geordnete Liquidation

Wenn kein tragfähiges Geschäftsmodell mehr besteht, kann eine geordnete Liquidation die wirtschaftlich sauberste Lösung sein.

Der Vorteil: Schäden können begrenzt und persönliche Haftungsrisiken reduziert werden.

Der Nachteil: Es ist der unternehmerische Endpunkt.

Entscheidend ist nicht, welche Option theoretisch attraktiv klingt. Entscheidend ist der Zeitpunkt.

In der Krise verlieren Unternehmer selten an Optionen, weil sie zu wenig wissen. Sie verlieren Optionen, weil sie zu lange warten.

Praxisbeispiele: So wirkt die kommunale Finanzkrise im Unternehmeralltag

Praxisfall 1: Bauunternehmen mit starkem Kommunalanteil

Ein regionales Bauunternehmen erzielt 45 Prozent seines Umsatzes mit kommunalen Sanierungen: Schulen, Straßen, Verwaltungsgebäude.

Zwei Projekte werden verschoben, ein drittes startet später, Nachträge bleiben ungeklärt.

In der GuV sieht das Unternehmen noch ordentlich aus, weil Auftragsbestand vorhanden ist. Auf dem Konto fehlt aber Geld.

Die richtige Reaktion:

  • 13-Wochen-Liquiditätsplanung,
  • Projektdeckungsbeitrag je Baustelle,
  • Nachtrags- und Abrechnungsbeschleunigung,
  • Gespräch mit Hausbank,
  • keine neuen Unterkostenangebote,
  • gezielte Akquise privater Gewerbekunden,
  • Prüfung von Leasing- und Maschinenkosten,
  • Neuverhandlung von Zahlungszielen,
  • kritische Bewertung aller laufenden Projekte.

Die falsche Reaktion wäre: noch mehr Ausschreibungen zu noch niedrigeren Preisen gewinnen.

Praxisfall 2: Sozialträger mit Personalkostenproblem

Ein freier Träger betreibt Angebote in Jugendhilfe, Betreuung und Integration.

Die Nachfrage steigt, aber Entgelte und Erstattungen decken Kostensteigerungen nicht ausreichend. Gleichzeitig zahlt die Kommune spät, weil Prüfungen und Haushaltsprozesse dauern.

Die richtige Reaktion:

  • Leistungsbereiche nach Deckungsbeitrag analysieren,
  • Entgeltverhandlungen vorbereiten,
  • Personalstruktur prüfen,
  • nicht finanzierte Leistungen begrenzen,
  • Liquiditätsreserve aufbauen,
  • offene Forderungen strukturiert verfolgen,
  • rechtliche Pflichten zur Fortführungsprognose prüfen,
  • klare Eskalationswege mit Kostenträgern vereinbaren.

Sozialer Auftrag ersetzt keine kaufmännische Steuerung.

Gerade gemeinnützige oder soziale Unternehmen geraten in Krisen, weil sie Defizite moralisch begründen, aber nicht finanzieren.

Praxisfall 3: Innenstadthändler mit indirekter Betroffenheit

Ein Händler hat keine öffentlichen Aufträge. Trotzdem trifft ihn die Finanzkrise: weniger Stadtmarketing, steigende Parkgebühren, weniger Veranstaltungen, schlechtere Aufenthaltsqualität, höhere Grundsteuerumlagen über die Miete.

Die Frequenz sinkt, die Kosten steigen.

Die richtige Reaktion:

  • Standortkosten neu verhandeln,
  • Frequenzabhängigkeit reduzieren,
  • Online- und Stammkundengeschäft ausbauen,
  • Sortiment nach Rohertrag prüfen,
  • Personalplanung flexibilisieren,
  • Liquiditätsplanung verschärfen,
  • frühzeitig mit Vermieter und Bank sprechen,
  • Marketing stärker auf direkte Kundenbindung ausrichten.

Der Fehler wäre, die Krise nur als Konsumproblem zu sehen.

Es ist ein Standort- und Kostenproblem.

Praxisfall 4: IT-Dienstleister für kommunale Digitalisierung

Ein IT-Unternehmen betreut mehrere Verwaltungen.

Alle reden über Digitalisierung, aber Ausschreibungen verzögern sich, Projektfreigaben hängen an Haushaltssperren, Zahlungen kommen nach langen Abnahmen.

Die richtige Reaktion:

  • Projektpipeline nicht mit Umsatz verwechseln,
  • Zahlungsmeilensteine enger definieren,
  • Wartungsverträge priorisieren,
  • private Branchenlösungen aufbauen,
  • Forderungsmanagement professionalisieren,
  • Kapazitäten nicht auf ungeklärte Vergaben blockieren,
  • stärker auf wiederkehrende Erlöse setzen.

Gerade in der IT wird gern mit „sicheren öffentlichen Projekten“ geplant.

Sicher ist ein Projekt erst, wenn Auftrag, Budget, Meilensteine und Zahlungslauf belastbar sind.

Häufige Fehler, die Unternehmer jetzt vermeiden sollten

Fehler 1: Kommunale Finanznot als politisches Problem abtun

Wer Unternehmer ist, muss politische Debatten nicht kommentieren.

Aber er muss ihre wirtschaftlichen Folgen einpreisen.

Fehler 2: Öffentliche Auftraggeber pauschal als risikolos einstufen

Die Kommune selbst ist rechtlich anders zu bewerten als ein Privatunternehmen.

Trotzdem können Zahlungsverzögerungen, Projektverschiebungen und Haushaltsrisiken massiv auf Liquidität wirken.

Fehler 3: Auftragsbestand mit Liquidität verwechseln

Ein voller Auftragsbestand hilft wenig, wenn Projekte später starten oder Rechnungen spät bezahlt werden.

Auftrag ist nicht gleich Zahlung. Und Zahlung ist nicht gleich Gewinn.

Fehler 4: Unterkostenangebote schreiben

Auslastung um jeden Preis ist in Krisen einer der schnellsten Wege in die Insolvenz.

Wer Marge opfert, um Maschinen oder Personal beschäftigt zu halten, verschiebt das Problem meistens nur um wenige Monate.

Fehler 5: Nachträge schlecht dokumentieren

Nachträge ohne saubere Dokumentation werden später zu Streitfällen.

Streitfälle werden zu Liquiditätsproblemen.

Fehler 6: Banken zu spät informieren

Finanzierer mögen keine Überraschungen.

Frühzeitige Transparenz erhöht Sanierungschancen.

Fehler 7: Insolvenzgründe nicht laufend prüfen

In der Krise muss die Geschäftsleitung Zahlungsfähigkeit, Fortführungsprognose und rechtliche Antragspflichten aktiv überwachen.

Das gilt auch dann, wenn die Krise durch externe Faktoren ausgelöst wurde.

Fehler 8: Nur Kosten senken, aber Geschäftsmodell nicht anpassen

Sparen allein saniert kein strukturell defizitäres Geschäftsmodell.

Wenn der Markt, die Auftraggeberstruktur oder die Zahlungsdynamik kippt, muss auch das Geschäftsmodell überprüft werden.

Fehler 9: Fördermittel und Zuschüsse als sicher planen

Was politisch gewollt ist, ist nicht automatisch haushalterisch gesichert.

Gerade freiwillige Leistungen und Zuschüsse gehören mit Risikoabschlag in die Planung.

Fehler 10: Zu lange warten

In der Restrukturierung ist Zeit kein neutraler Faktor.

Zeit verbraucht Liquidität, Vertrauen und Optionen.

FAQ: Kommunen am Limit und Folgen für Unternehmen

Was bedeutet „Kommunen am Limit“?

„Kommunen am Limit“ beschreibt die finanzielle Überlastung von Städten, Gemeinden und Landkreisen. Gemeint sind strukturelle Defizite, steigende Pflichtausgaben, Investitionsstau und fehlender finanzieller Spielraum.

Warum rufen Kommunen aktuell um Hilfe?

Kommunen rufen um Hilfe, weil ihre Ausgaben seit Jahren stärker steigen als ihre Einnahmen. Besonders Sozialausgaben, Personal, Infrastruktur und gesetzlich übertragene Aufgaben belasten die Haushalte.

Wie hoch ist das kommunale Defizit?

Das kommunale Defizit liegt aktuell in einer Größenordnung von rund 30 Milliarden Euro jährlich. Für die kommenden Jahre wird ebenfalls mit erheblichen Fehlbeträgen gerechnet.

Können Kommunen insolvent werden?

Kommunen sind grundsätzlich nicht wie private Unternehmen insolvenzfähig. Das bedeutet aber nicht, dass Finanznot folgenlos bleibt: Investitionen, freiwillige Leistungen, Gebühren, Steuern und Verwaltungsprozesse können erheblich betroffen sein.

Warum betrifft die kommunale Finanzkrise Unternehmen?

Unternehmen hängen oft direkt oder indirekt an kommunalen Aufträgen, Genehmigungen, Infrastruktur, Gebühren, Standortqualität und kommunalen Gesellschaften. Wenn Kommunen sparen, wirkt das auf Umsatz, Kosten, Liquidität und Investitionssicherheit.

Welche Branchen sind besonders betroffen?

Besonders betroffen sind Bau, Handwerk, Planung, IT, Facility Management, Pflege, soziale Träger, Bildung, Kultur, Gastronomie, Einzelhandel, Mobilität, Energie, Entsorgung und Immobilien. Auch Zulieferer kommunaler Gesellschaften sollten ihre Risiken prüfen.

Werden öffentliche Aufträge jetzt unsicherer?

Öffentliche Aufträge bleiben grundsätzlich relevant, können aber später starten, kleiner ausfallen oder verschoben werden. Unternehmen sollten zwischen beauftragten, haushaltsgesicherten Projekten und bloßen Planungsprojekten unterscheiden.

Drohen Unternehmen Zahlungsausfälle durch Kommunen?

Bei der Kommune selbst steht meist nicht der klassische Forderungsausfall im Vordergrund. Kritischer sind lange Prüfprozesse, spätere Abnahmen, verzögerte Abschlagszahlungen und ungeklärte Nachträge.

Was bedeutet die Einkommensteuerreform für Kommunen?

Die geplante Einkommensteuerreform soll kleine und mittlere Einkommen entlasten. Da Gemeinden am Einkommensteueraufkommen beteiligt sind, können Steuerausfälle ohne Ausgleich auch die kommunalen Haushalte belasten.

Können Gewerbesteuer oder Grundsteuer steigen?

Ja, Kommunen können versuchen, eigene Einnahmen über Hebesätze, Gebühren und Entgelte zu erhöhen. Ob und in welchem Umfang das geschieht, hängt von der jeweiligen Kommune, Haushaltslage und politischen Entscheidung ab.

Was sollten Unternehmer jetzt zuerst prüfen?

Unternehmer sollten ihre Abhängigkeit von kommunalen Kunden, kommunalen Gesellschaften, Zuschüssen, Gebühren und Genehmigungen analysieren. Danach gehört eine 13-Wochen-Liquiditätsplanung mit Stressszenario auf den Tisch.

Was ist eine Kommunal-Exposure-Analyse?

Eine Kommunal-Exposure-Analyse zeigt, wie stark ein Unternehmen finanziell, operativ und strategisch von Kommunen abhängig ist. Sie umfasst Umsatzanteile, Forderungen, Ausschreibungen, Standortkosten, Genehmigungen und Fördermittel.

Wie schützt man sich vor verzögerten Zahlungen?

Unternehmen sollten Abschlagsrechnungen, Leistungsnachweise, Abnahmen und Nachträge sauber dokumentieren. Zusätzlich braucht es konsequentes Forderungsmanagement und eine Liquiditätsplanung, die längere Zahlungsziele berücksichtigt.

Sollte man kommunale Ausschreibungen meiden?

Nein. Kommunale Ausschreibungen können weiterhin attraktiv sein. Entscheidend ist, keine Projekte unter Selbstkosten anzunehmen und Zahlungs-, Nachtrags- und Vorfinanzierungsrisiken realistisch einzupreisen.

Was tun, wenn ein kommunaler Auftrag verschoben wird?

Dann muss sofort geprüft werden, welche Auswirkungen die Verschiebung auf Liquidität, Personal, Material, Maschinen und Banklinien hat. Parallel sollten Ersatzumsätze, Kostenanpassungen und Gespräche mit Finanzierungspartnern vorbereitet werden.

Welche Rolle spielt das StaRUG?

Das StaRUG verpflichtet Geschäftsleiter haftungsbeschränkter Unternehmen zur Krisenfrüherkennung und zum Krisenmanagement. Es kann außerdem in geeigneten Fällen ein Instrument zur außerinsolvenzlichen Restrukturierung sein.

Wann droht Insolvenzantragspflicht?

Eine Insolvenzantragspflicht droht bei Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung. Bei Zahlungsunfähigkeit gilt eine Höchstfrist von drei Wochen, bei Überschuldung eine Höchstfrist von sechs Wochen.

Was kostet eine Unternehmenssanierung?

Die Kosten hängen von Größe, Krise, Gläubigerstruktur, Liquiditätslage und gewünschtem Sanierungsinstrument ab. Entscheidend ist meist nicht die Beraterrechnung, sondern wie viel Schaden durch spätes Handeln bereits entstanden ist.

Wann sollte ein Unternehmer externe Hilfe holen?

Externe Hilfe ist sinnvoll, wenn Liquidität knapp wird, Banken nervös werden, öffentliche Aufträge wackeln, Steuer- oder Sozialversicherungsrückstände entstehen oder die Geschäftsführung Insolvenzgründe nicht sicher ausschließen kann.

Was ist der wichtigste nächste Schritt?

Der wichtigste Schritt ist eine ehrliche Bestandsaufnahme: Liquidität, kommunale Abhängigkeit, Auftragsrisiko, Forderungen und rechtliche Pflichten. Danach entscheidet sich, ob operative Maßnahmen reichen oder eine strukturierte Sanierung notwendig ist.

Strategische Einordnung: Die Kommune als Krisenverstärker

Die kommunale Finanzkrise ist für Unternehmen kein isolierter externer Schock.

Sie wirkt wie ein Verstärker.

Ein gesundes Unternehmen kann verzögerte Projekte, höhere Gebühren oder langsamere Genehmigungen meist verkraften. Ein bereits belastetes Unternehmen nicht.

Dort reichen wenige Wochen Zahlungsverzug, ein verschobener Auftrag oder ein steigender Hebesatz, um die Liquidität kippen zu lassen.

Das ist die eigentliche Gefahr: Die kommunale Krise trifft nicht alle gleich. Sie trifft besonders hart jene Unternehmen, die ohnehin wenig Reserven haben.

Aus Restrukturierungssicht ist deshalb jetzt der richtige Zeitpunkt für drei Fragen:

  1. Wie abhängig ist mein Unternehmen von kommunaler Finanzkraft?
  2. Wie lange übersteht mein Unternehmen Verzögerungen ohne externe Liquidität?
  3. Welche Sanierungsoptionen habe ich, bevor rechtliche Fristen laufen?

Wer diese Fragen sauber beantwortet, gewinnt Handlungsspielraum.

Wer sie verdrängt, bekommt später Antworten vom Konto, vom Finanzamt, von der Krankenkasse oder vom Insolvenzgericht.

Meist in dieser Reihenfolge.

„Kommunen am Limit“ ist ein Warnsignal für Unternehmer

Der Aktionstag „Kommunen am Limit“ macht sichtbar, was sich in vielen Regionen längst aufgebaut hat: Städte, Gemeinden und Landkreise stehen finanziell unter massivem Druck.

Das kommunale Defizit ist historisch hoch, der Investitionsstau wächst, und neue Steuerentlastungen können zusätzliche Einnahmelücken reißen.

Für Unternehmer bedeutet das: Standortpolitik wird Liquiditätspolitik. Öffentliche Haushalte werden Teil der eigenen Risikoplanung.

Kommunale Auftraggeber, Zuschüsse, Genehmigungen und Gebühren gehören in die Sanierungsanalyse.

Der wichtigste Satz lautet:

Nicht jede kommunale Krise wird zur Unternehmenskrise. Aber jede Unternehmenskrise muss kommunale Risiken berücksichtigen.

Wer früh prüft, kann gegensteuern.

Wer wartet, saniert später unter Druck.

Wenn Ihr Unternehmen bereits unter Druck steht

Wenn kommunale Aufträge wackeln, Forderungen später eingehen, Kosten steigen oder die Liquidität enger wird, ist Abwarten keine unternehmerische Vorsicht.

Es ist ein Risiko.

Ein sinnvoller nächster Schritt ist eine strukturierte Krisen- und Liquiditätsanalyse:

  • 13-Wochen-Liquiditätsplanung,
  • Prüfung möglicher Insolvenzgründe,
  • Analyse kommunaler Umsatz- und Forderungsrisiken,
  • Bewertung von Auftragsbestand und Nachträgen,
  • Maßnahmenplan zur Stabilisierung,
  • Gesprächsvorbereitung für Banken, Gläubiger und Gesellschafter,
  • Prüfung geeigneter Sanierungsinstrumente.

Unternehmer-Retter unterstützt Unternehmer, Geschäftsführer und Investoren dabei, Krisen früh einzuordnen, Handlungsoptionen zu sichern und eine belastbare Sanierungsstrategie aufzubauen – diskret, strukturiert und mit Blick auf Liquidität, Haftung und Fortführung.

Wenn die Kommune am Limit ist, sollte Ihr Unternehmen es nicht auch sein.