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GmbH in Schwierigkeiten kaufen

16. November 2025 / Unternehmer Retter

GmbH in Schwierigkeiten kaufen – Chancen, Risiken und rechtliche Aspekte

Der Kauf einer GmbH, die sich bereits in finanziellen Schwierigkeiten befindet, kann für erfahrene Unternehmer eine interessante Gelegenheit sein – birgt jedoch erhebliche Risiken. Wer eine solche Gesellschaft übernehmen möchte, sollte die wirtschaftliche Lage sorgfältig prüfen, rechtliche Fallstricke kennen und die Transaktion strategisch planen.

Definition: Was bedeutet „GmbH in Schwierigkeiten“?

Eine GmbH gilt als „in Schwierigkeiten“, wenn sie:

  • Zahlungsunfähigkeit droht oder bereits eingetreten ist,
  • Überschuldet ist (nach § 19 InsO),
  • negative Eigenkapitalwerte aufweist,
  • oder laufende Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen kann.

In solchen Fällen ist der bisherige Geschäftsführer oft zur Insolvenzanmeldung verpflichtet. Dennoch können Investoren die Gesellschaft übernehmen, um sie zu sanieren, fortzuführen oder als Mantelgesellschaft weiterzuverwenden.

Gründe für den Kauf einer GmbH in Schwierigkeiten

Der Erwerb einer kriselnden GmbH kann strategisch sinnvoll sein, wenn:

  1. Wertvolle Vermögenswerte vorhanden sind
    z. B. Immobilien, Maschinen, Patente, Markenrechte oder Kundenstämme.
  2. Lizenz- oder Zulassungsvorteile bestehen
    Manche Branchen (z. B. Finanzdienstleistungen, Handwerk, Medizin) erfordern Genehmigungen, die beim Kauf einer bestehenden GmbH erhalten bleiben.
  3. Schneller Markteintritt möglich ist
    Der Käufer kann auf bestehende Strukturen, Mitarbeiter und Verträge zugreifen, statt neu zu gründen.
  4. Steuerliche Vorteile nutzbar sind
    Verlustvorträge oder bilanzielle Gestaltungsmöglichkeiten können steuerlich interessant sein (sofern die Verlustverrechnung zulässig bleibt).

Risiken und Haftungsfallen

Der Kauf einer notleidenden GmbH ist kein gewöhnlicher Unternehmenskauf. Käufer sollten insbesondere folgende Risiken beachten:

  1. Versteckte Schulden
    Häufig bestehen noch unbekannte Forderungen, z. B. aus Lieferantenrechnungen, Steuern oder Arbeitsverhältnissen.
  2. Haftung für Altlasten
    Nach dem Kauf kann der neue Geschäftsführer persönlich haften, wenn z. B. Steuerschulden, Sozialversicherungsbeiträge oder verspätete Insolvenzanträge festgestellt werden (§ 64 GmbHG a.F. / § 15b InsO).
  3. Verlust von Verträgen oder Genehmigungen
    Manche Geschäftsbeziehungen enden automatisch bei Gesellschafterwechsel oder Insolvenz.
  4. Insolvenzverschleppung
    Wer eine GmbH übernimmt, die bereits insolvenzreif ist, riskiert straf- und zivilrechtliche Folgen, wenn keine sofortige Insolvenzanmeldung erfolgt.

Ablauf beim Kauf einer GmbH in Schwierigkeiten

1. Unternehmensanalyse (Due Diligence)
Prüfung von Bilanzen, Verträgen, offenen Forderungen, Steuerunterlagen und rechtlichen Verpflichtungen.

2. Bewertung und Kaufentscheidung
Bewertung des Unternehmenswerts (oft nur symbolischer Kaufpreis) unter Berücksichtigung von Sanierungskosten.

3. Vertragsgestaltung
Kaufvertrag sollte Haftungsrisiken begrenzen und klare Regelungen zu Schulden, Steuern und Ansprüchen enthalten.

4. Notarielle Beurkundung
Der GmbH-Anteilskauf muss notariell beurkundet werden (§ 15 Abs. 3 GmbHG).

5. Anmeldung beim Handelsregister
Der neue Gesellschafter und ggf. Geschäftsführer müssen eingetragen werden.

6. Sanierung oder Restrukturierung
Nach Übernahme: Prüfung auf Fortführungsprognose, Erstellung eines Sanierungsplans, ggf. Nutzung von StaRUG oder ESUG.

Alternative: Kauf aus der Insolvenz

Statt eine überschuldete GmbH direkt zu übernehmen, kann der Kauf aus der Insolvenz sinnvoller sein.
Vorteile:

  • Keine Haftung für Altverbindlichkeiten,
  • saubere Übernahme über einen Asset Deal,
  • Möglichkeit der Neustrukturierung ohne Altlasten.

Nachteil:

  • Verlust der ursprünglichen GmbH-Rechtsform und eventuell bestehender Verträge.

Sanierungsmöglichkeiten nach dem Kauf

Ein erfahrener Käufer kann die GmbH stabilisieren durch:

  • Schuldenschnitt oder Vergleich mit Gläubigern,
  • Finanzielle Zuführung von Eigenkapital oder Gesellschafterdarlehen,
  • Operative Restrukturierung (Kostenabbau, Neuausrichtung),
  • Einsatz eines Sanierungsgeschäftsführers oder Interim-Managers,
  • Verhandlungen mit Finanzamt und Sozialversicherung über Zahlungsaufschübe.

Chancen für Profis, Risiken für Einsteiger

Eine GmbH in Schwierigkeiten zu kaufen, kann lukrativ sein – aber nur, wenn der Käufer die rechtliche Lage vollständig versteht und professionelle Beratung einholt.
Erfahrene Unternehmer, Sanierungsberater oder Investoren können mit dem richtigen Konzept ein angeschlagenes Unternehmen wieder profitabel machen.

Rechtlicher Hinweis

Dieser Beitrag stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar.
Wer den Kauf einer GmbH in Schwierigkeiten plant, sollte sich unbedingt von einem Fachanwalt für Gesellschaftsrecht, einem Sanierungsberater oder Steuerberater individuell beraten lassen.