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Hermesdeckung

3. Juni 2026 / Unternehmer Retter

Hermesdeckung

Eine Hermesdeckung ist eine staatliche Exportkreditgarantie der Bundesrepublik Deutschland. Sie schützt deutsche Exporteure und exportfinanzierende Banken vor Zahlungsausfällen bei Auslandsgeschäften, insbesondere wenn politische oder wirtschaftliche Risiken im Zielland bestehen. Offiziell heißen Hermesdeckungen Exportkreditgarantien des Bundes. Der Begriff „Hermesdeckung“ stammt aus der Bearbeitung durch die Euler Hermes Aktiengesellschaft, die diese Garantien im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland abwickelt.

Kurzdefinition

Eine Hermesdeckung ist keine Finanzierung und kein Kredit, sondern eine staatliche Absicherung: Der Bund übernimmt gegen Entgelt einen großen Teil des Ausfallrisikos aus einem Exportgeschäft. Im Schadensfall entschädigt der Bund den Deckungsnehmer in Höhe der gedeckten Forderung abzüglich Selbstbehalt.

Hermesdeckung auf einen Blick

Punkt Erklärung
Offizieller Begriff Exportkreditgarantie des Bundes
Umgangssprachlicher Begriff Hermesdeckung, früher oft Hermesbürgschaft
Zweck Absicherung deutscher Exportgeschäfte gegen politische und wirtschaftliche Zahlungsausfälle
Garantiegeber Bundesrepublik Deutschland
Bearbeitung Euler Hermes Aktiengesellschaft im Auftrag des Bundes
Zielgruppe Deutsche Exporteure und exportfinanzierende Banken
Typische Einsatzfälle Maschinenbau, Anlagenbau, Infrastruktur, Projektgeschäft, Lieferantenkredite, Bestellerkredite
Besonders relevant für Geschäfte in Schwellen- und Entwicklungsländern oder risikoreichen Märkten
Kostenbestandteile Gebühren, risikoorientiertes Entgelt, Selbstbeteiligung
Entscheidung Je nach Volumen durch Euler Hermes, Kleinen Interministeriellen Ausschuss oder Interministeriellen Ausschuss
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Was ist eine Hermesdeckung?

Die Hermesdeckung ist ein Instrument der deutschen Außenwirtschaftsförderung. Sie soll Exportgeschäfte ermöglichen, die ohne staatliche Absicherung wegen politischer Risiken, schwacher Bonität des Auslandskunden, unsicherer Zahlungsbedingungen oder fehlender privater Versicherbarkeit nicht oder nur schwer zustande kämen. Das Deckungsangebot reicht von der Fertigung über die Lieferung bis zur Zahlung der letzten Rate.

Der wirtschaftliche Kern besteht darin, dass der Bund einen großen Teil des Risikos übernimmt. Dadurch können Banken Exportfinanzierungen eher bereitstellen, weil das Kreditrisiko durch die staatliche Garantie reduziert wird. Für Unternehmen kann das den Zugang zu Auslandsmärkten erleichtern, die Liquiditätsplanung verbessern und Zahlungsausfälle abfedern.

Hermesdeckung Infografik

Hermesdeckung Infografik

Welche Risiken deckt eine Hermesdeckung ab?

Hermesdeckungen sichern vor allem wirtschaftliche und politische Risiken ab.

Wirtschaftliche Risiken sind zum Beispiel die Insolvenz des ausländischen Schuldners oder die Nichtzahlung nach Fälligkeit. Politische Risiken betreffen staatliche Maßnahmen, Krieg, Unruhen oder Transfer- und Konvertierungsbeschränkungen, durch die Zahlungen nicht geleistet oder nicht in Devisen transferiert werden können.

Typische gedeckte Risiken sind:

Risikoart Beispiele
Wirtschaftliches Risiko Insolvenz des Auslandskunden, längerer Zahlungsverzug, Nichtzahlung
Politisches Risiko Krieg, staatliche Eingriffe, Embargo, Transferbeschränkungen
Fabrikationsrisiko Abbruch oder Nichtdurchführung eines Exportgeschäfts während der Herstellung
Finanzierungsrisiko Ausfall eines Darlehens, das eine Bank zur Finanzierung eines deutschen Exportgeschäfts gewährt
Vertragsgarantierisiko Unberechtigte oder politisch bedingte Ziehung einer Garantie durch den ausländischen Besteller

Für wen ist eine Hermesdeckung geeignet?

Eine Hermesdeckung eignet sich für Unternehmen, die Waren, Anlagen oder Dienstleistungen ins Ausland liefern und dabei Zahlungsziele, politische Risiken oder Bonitätsrisiken absichern möchten. Die Exportkreditgarantien stehen grundsätzlich Exportunternehmen und exportfinanzierenden Banken mit Sitz in Deutschland offen; die Unternehmensgröße oder Auftragshöhe ist nicht das zentrale Ausschlusskriterium. Entscheidend sind vor allem Förderungswürdigkeit und risikomäßige Vertretbarkeit des Geschäfts.

Besonders relevant ist eine Hermesdeckung für mittelständische Unternehmen, die größere Exportaufträge, Maschinenlieferungen, Anlagenbauprojekte oder wiederkehrende Auslandsgeschäfte durchführen. Sie kann auch für Unternehmen in wirtschaftlich angespannten Situationen wichtig sein, wenn ein gesicherter Exportauftrag Liquidität schafft oder eine Bankfinanzierung erleichtert.

Wann lohnt sich eine Hermesdeckung?

Eine Hermesdeckung lohnt sich vor allem, wenn das Exportgeschäft ohne Absicherung zu riskant wäre oder die Bank ohne staatliche Deckung keine Finanzierung bereitstellt. Der Bund kommt dabei subsidiär zum Einsatz: Hermesdeckungen sollen vor allem dort helfen, wo private Versicherer kein ausreichendes Angebot bereitstellen. In der Praxis liegt der Schwerpunkt daher häufig auf risikoreicheren Märkten, insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern.

Typische Situationen sind:

Situation Warum eine Hermesdeckung helfen kann
Neuer Kunde in einem risikoreichen Markt Absicherung gegen Zahlungsausfall
Großauftrag mit langem Zahlungsziel Schutz über längere Risikolaufzeit
Exportfinanzierung über Bank Verbesserung der Finanzierbarkeit
Produktion vor Lieferung Absicherung von Fabrikationskosten
Wiederkehrende Exporte in mehrere Länder Sammeldeckung oder APG möglich
Öffentlicher Besteller im Ausland Absicherung gegen politische und staatliche Risiken

Welche Arten von Hermesdeckungen gibt es?

Das Produktangebot ist breit, weil Auslandsgeschäfte sehr unterschiedlich strukturiert sein können. Für Exporteure gibt es Einzeldeckungen, Sammeldeckungen und ergänzende Absicherungen. Für Banken gibt es Produkte zur Absicherung von Darlehensforderungen aus Exportfinanzierungen.

Wichtige Produkte für Exporteure

Produkt Zweck
Lieferantenkreditdeckung Absicherung einer Forderung aus einem einzelnen Exportgeschäft
Fabrikationsrisikodeckung Absicherung von Produktionskosten vor Lieferung
Leistungsdeckung Absicherung von Dienstleistungen ohne unmittelbare Warenausfuhr
Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistung, APG Absicherung wiederkehrender kurzfristiger Forderungen gegen mehrere Besteller in verschiedenen Ländern
APG-light Vereinfachte Sammeldeckung für kurzfristige Forderungen mit bis zu vier Monaten Zahlungsziel
Vertragsgarantiedeckung Schutz vor politisch bedingter oder widerrechtlicher Ziehung einer Garantie
Avalgarantie Entlastung von Kreditlinien bei Vertragsgarantien
Forfaitierungsgarantie Erleichterung des Forderungsverkaufs bei bundesgedeckten Small-Ticket-Geschäften

Die offizielle Produktübersicht nennt unter anderem Lieferantenkreditdeckung, APG, APG-light, Fabrikationsrisikodeckung, Vertragsgarantiedeckung, Avalgarantie und Forfaitierungsgarantie als zentrale Absicherungsformen für Exporteure.

Wichtige Produkte für Banken

Produkt Zweck
Finanzkreditdeckung Absicherung von Darlehensforderungen aus der Finanzierung deutscher Exportgeschäfte
Revolvierende Finanzkreditdeckung Absicherung wiederkehrender kurzfristiger Exportfinanzierungen
Rahmenkreditdeckung Absicherung von Einzelkrediten unter einer Kreditlinie
Shopping-Line-Deckung Kreditlinie für Beschaffungsprogramme großer ausländischer Kunden
Akkreditivbestätigungsrisikodeckung Absicherung von Risiken aus bestätigten Akkreditiven
Verbriefungsgarantie Verbesserung der Refinanzierung hermesgedeckter Exportkredite

Für Banken ist besonders die Finanzkreditdeckung relevant, weil sie Darlehensforderungen absichert, die aus der Finanzierung eines deutschen Exportgeschäfts entstehen.

Hermesdeckung

Hermesdeckung

Voraussetzungen für eine Hermesdeckung

Eine Hermesdeckung wird nicht automatisch gewährt. Der Bund prüft das Geschäft nach mehreren Kriterien. Wesentlich sind die Bonität des ausländischen Kunden, das Länderrisiko, die deutsche Wertschöpfung, übliche Vertragsbedingungen, Zahlungsbedingungen, Laufzeit sowie Umwelt-, Sozial- und Menschenrechtsstandards.

Wichtige Voraussetzungen sind:

Voraussetzung Bedeutung
Förderungswürdiges Exportgeschäft Das Geschäft muss einen hinreichenden Bezug zur deutschen Wirtschaft haben
Risikomäßige Vertretbarkeit Der Bund muss eine ausreichende Aussicht auf schadenfreien Verlauf sehen
Ausländischer Besteller oder Schuldner Es muss ein grenzüberschreitender Bezug bestehen
Prüffähige Unterlagen Bonitätsunterlagen, Vertragsdaten, Finanzierungsstruktur
Antrag vor Vertragsabschluss Antrag möglichst frühzeitig stellen
Einhaltung von Compliance-Vorgaben Korruptionsfreiheit, USM-Prüfung, internationale Standards

Bei größeren Geschäften sind zusätzliche Unterlagen erforderlich: Bei Auftragswerten über 15 Millionen Euro soll ein Memorandum mit Angaben zu Finanzierung, Infrastruktur, Umwelt- und Sozialaspekten sowie zur Bedeutung des Projekts für das Unternehmen eingereicht werden.

Antrag: Wie beantragt man eine Hermesdeckung?

Der Antrag sollte möglichst früh gestellt werden, idealerweise bereits im Verhandlungsstadium und jedenfalls vor Unterzeichnung des Exportvertrags. Unternehmen können zunächst eine kostenlose Online-Anfrage stellen, um eine unverbindliche Ersteinschätzung zur Deckungsfähigkeit zu erhalten. Der eigentliche Antrag erfolgt digital über das myAGA-Kundenportal.

Der Ablauf sieht typischerweise so aus:

  1. Vorprüfung: Unternehmen prüfen, ob das Geschäft grundsätzlich für eine Hermesdeckung geeignet ist.
  2. Online-Anfrage: Unverbindliche Einschätzung zur Deckungsfähigkeit.
  3. Antragstellung: Digitaler Antrag über myAGA mit Angaben zu Geschäft, Kunde, Zahlungsziel, Finanzierung und Sicherheiten.
  4. Prüfung: Bewertung von Länderrisiko, Käuferbonität, deutscher Wertschöpfung, Vertragsbedingungen und Nachhaltigkeitsanforderungen.
  5. Entscheidung: Je nach Volumen durch Euler Hermes, KLIMA oder IMA.
  6. Deckungszusage: Nach positiver Prüfung erhält der Antragsteller eine Zusage beziehungsweise Deckungsurkunde.
  7. Schadenfall: Bei Ausfall muss der Deckungsnehmer Obliegenheiten beachten und einen Schadenantrag stellen.

Wer entscheidet über eine Hermesdeckung?

Die Bundesregierung trägt die haushaltsrechtliche Verantwortung. Über die Absicherung entscheidet je nach Volumen der zuständige Entscheidungskreis. Bei Geschäften über 15 Millionen Euro entscheidet der Interministerielle Ausschuss, bei kleineren Geschäften zwischen sieben und fünfzehn Millionen Euro der Kleine Interministerielle Ausschuss. Anträge bis sieben Millionen Euro entscheidet Euler Hermes nach Weisung und unter Kontrolle des Bundes.

Im Interministeriellen Ausschuss sind vier Ressorts vertreten: das Bundeswirtschaftsministerium, das Bundesfinanzministerium, das Auswärtige Amt und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Die Entscheidung erfolgt im Konsens; Euler Hermes und Sachverständige aus der Wirtschaft wirken beratend mit.

Was kostet eine Hermesdeckung?

Die Kosten einer Hermesdeckung bestehen im Wesentlichen aus Gebühren und Entgelt. Die Gebühren decken den Verwaltungsaufwand und hängen in der Regel vom Auftragswert oder Darlehensbetrag ab. Das Entgelt ist risikoorientiert und richtet sich unter anderem nach Risikolaufzeit, Länder- und Käuferrisiko, Selbstbeteiligung und Sicherheiten.

Die übliche Selbstbeteiligung liegt je nach Produkt und Risikoart zwischen 5 und 15 Prozent. Für die Lieferantenkreditdeckung nennt das offizielle Handbuch als Regelsatz 5 Prozent Selbstbeteiligung bei politischen Risiken und 15 Prozent bei wirtschaftlichen Risiken einschließlich Nichtzahlung; entsprechend beträgt die Entschädigungsquote typischerweise 95 Prozent beziehungsweise 85 Prozent.

Die Antragsgebühr wird bei Antragstellung erhoben. Zusätzlich kann eine Ausfertigungsgebühr anfallen; sie beträgt laut offizieller Entgeltseite 0,25 Promille des Auftragswerts oder Darlehensbetrags, mindestens 50 Euro und höchstens 12.500 Euro.

Warum ist die Hermesdeckung für Unternehmer wichtig?

Für Unternehmer kann eine Hermesdeckung drei zentrale Funktionen erfüllen: Sie schützt vor Forderungsausfall, sie erleichtert Exportfinanzierungen und sie kann den Markteintritt in schwierigere Regionen ermöglichen. Gerade bei größeren Maschinen-, Anlagen- oder Infrastrukturgeschäften ist nicht nur das Produkt entscheidend, sondern auch die Finanzierungslösung für den ausländischen Kunden.

Aus Sicht der Unternehmenssicherung ist die Hermesdeckung besonders relevant, wenn ein einzelner Auslandsauftrag einen hohen Anteil am Umsatz ausmacht. Ein Zahlungsausfall kann dann schnell Liquiditätsprobleme auslösen. Eine staatliche Exportkreditgarantie reduziert dieses Klumpenrisiko, ersetzt aber nicht die kaufmännische Prüfung des Kunden, eine saubere Vertragsgestaltung und ein professionelles Forderungsmanagement.

Hermesdeckung und Liquidität

Eine Hermesdeckung bringt dem Unternehmen nicht automatisch Geldzufluss. Sie ist keine Sofortfinanzierung. Sie kann aber indirekt Liquidität schaffen, weil Banken hermesgedeckte Forderungen oder Finanzierungen eher akzeptieren und weil Forderungsverkäufe, Bestellerkredite oder Forfaitierungen leichter möglich werden können.

Für Unternehmer in angespannten Situationen ist deshalb entscheidend, die Hermesdeckung nicht isoliert zu betrachten. Sie sollte in eine Gesamtstrategie aus Finanzierung, Zahlungsbedingungen, Sicherheiten, Debitorenmanagement und Liquiditätsplanung eingebunden werden.

Unterschied zwischen Hermesdeckung und Warenkreditversicherung

Merkmal Hermesdeckung Private Warenkreditversicherung
Träger Bundesrepublik Deutschland Privater Versicherer
Zweck Außenwirtschaftsförderung und Absicherung risikoreicher Exportgeschäfte Kommerzielle Absicherung von Forderungen
Typische Märkte Risikoreichere Länder, Schwellen- und Entwicklungsländer Marktfähige Risiken, oft laufende Forderungsbestände
Prüfung Förderungswürdigkeit, Länderrisiko, Käuferbonität, USM, Compliance Versicherbarkeit, Bonität, Limitprüfung
Entscheidung Staatliches Verfahren, je nach Volumen IMA/KLIMA/Euler Hermes Versicherer
Selbstbeteiligung Staatlich vorgegebene beziehungsweise produktspezifische Selbstbehalte Vertraglich vereinbarte Selbstbehalte
Zielgruppe Exporteure und exportfinanzierende Banken Unternehmen mit Forderungsrisiken

Der entscheidende Unterschied: Eine Hermesdeckung greift vor allem dort, wo private Absicherung nicht ausreichend verfügbar ist. Sie ist daher ein staatliches Förder- und Risikoinstrument, nicht nur eine gewöhnliche Versicherung.

Nachhaltigkeit, Menschenrechte und Korruptionsprävention

Hermesdeckungen sind an Rahmenbedingungen gebunden. Neben Förderungswürdigkeit und Risikotragfähigkeit spielen Umwelt-, Sozial- und Menschenrechtsaspekte eine wichtige Rolle. Bei bestimmten Transaktionen ist die USM-Prüfung nach internationalen Vorgaben obligatorisch, insbesondere bei Kreditlaufzeiten ab zwei Jahren und einem Auftragswert von mindestens 15 Millionen Euro. Bei Hinweisen auf wesentliche Umwelt-, Sozial- oder Menschenrechtsrisiken kann auch unabhängig von Laufzeit und Auftragswert geprüft werden.

Auch Korruptionsfreiheit ist ein zentrales Kriterium. Der Bund übernimmt keine Exportkreditgarantien für Geschäfte, die durch strafbare Handlungen zustande gekommen sind. Wird nachträglich festgestellt, dass ein gedecktes Geschäft korruptionsbehaftet war, kann der Bund Haftungsbefreiung oder Regressmöglichkeiten geltend machen.

Flex&cover und aktuelle Entwicklung

Mit dem Maßnahmenpaket für Exportkreditgarantien hat die Bundesregierung die Förderlogik erweitert. Der neue Ansatz flex&cover stellt stärker auf den Wertschöpfungsbeitrag eines Unternehmens für den Standort Deutschland ab. Ziel ist es, internationale Wertschöpfungsmodelle deutscher Unternehmen besser abzubilden, Verfahren zu vereinfachen und die Wettbewerbsfähigkeit der Exportwirtschaft zu stärken.

Im Jahr 2025 übernahm der Bund Exportkreditgarantien in Höhe von 13,3 Milliarden Euro. Im Länderranking lagen die Türkei, Polen und Brasilien vorne; für die Ukraine wurden 2025 Lieferungen und Leistungen in Höhe von 740 Millionen Euro abgesichert.

Rechtliche Grundlage und Haushaltsrahmen

Exportkreditgarantien beruhen auf haushaltsrechtlichen Ermächtigungen des Bundes. Das jährlich verabschiedete Haushaltsgesetz legt Ermächtigungsrahmen für exportbezogene Bürgschaften, Garantien und sonstige Gewährleistungen fest. Diese Rahmen begrenzen die möglichen Eventualverpflichtungen des Bundes in künftigen Haushaltsjahren.

International bewegen sich staatlich unterstützte Exportkredite im Rahmen des OECD-Arrangements. Dieses soll gleiche Wettbewerbsbedingungen schaffen, sodass Exporteure über Qualität und Preis konkurrieren und nicht über besonders günstige staatliche Exportkreditbedingungen. Die aktuelle Fassung des OECD-Arrangements ist die Januar-2026-Version, anwendbar seit dem 22. Januar 2026.

Vorteile einer Hermesdeckung

Vorteil Nutzen für Unternehmer
Schutz vor Zahlungsausfall Reduziert das Risiko hoher Forderungsverluste
Bessere Finanzierbarkeit Banken können Exportgeschäfte leichter begleiten
Zugang zu neuen Märkten Absicherung in politisch oder wirtschaftlich schwierigen Regionen
Stärkung der Verhandlungsposition Exporteur kann attraktive Zahlungsziele anbieten
Planbarkeit Größere Sicherheit bei langfristigen Projekten
Liquiditätseffekt Forderungsverkauf oder Finanzierung kann erleichtert werden

Grenzen und Risiken

Eine Hermesdeckung ist kein Ersatz für kaufmännische Sorgfalt. Der Exporteur bleibt verpflichtet, Kunden sorgfältig auszuwählen, Risiken zu melden und im Schadenfall seine Obliegenheiten einzuhalten. Außerdem verbleibt eine Selbstbeteiligung, die nicht anderweitig versichert werden darf.

Wichtige Grenzen sind:

Grenze Bedeutung
Keine automatische Zusage Jeder Antrag wird einzeln geprüft
Selbstbehalt bleibt Ein Restrisiko trägt der Deckungsnehmer selbst
Kein Ersatz für Bonitätsprüfung Der Kunde muss weiterhin sorgfältig geprüft werden
Compliance-Anforderungen Korruption, Sanktionen und USM-Risiken können zur Ablehnung führen
Antrag vor Vertragsschluss Zu späte Antragstellung kann problematisch sein
Kosten Gebühren und Entgelt müssen in die Marge einkalkuliert werden

Praxisbeispiel Hermesdeckung

Ein Maschinenbauer aus Deutschland liefert eine Spezialanlage an einen Kunden in einem Schwellenland. Der Kunde möchte 15 Prozent anzahlen und den Rest über fünf Jahre finanzieren. Die Hausbank des Kunden oder eine deutsche Bank verlangt eine Absicherung, weil das Land politisch unsicher ist und die Forderungslaufzeit lang ist.

In diesem Fall können zwei Deckungen relevant sein: Der Exporteur kann eine Lieferantenkreditdeckung für seine Forderung beantragen. Alternativ oder ergänzend kann eine Bank eine Finanzkreditdeckung erhalten, wenn sie den ausländischen Kunden finanziert. Dadurch sinkt das Ausfallrisiko für Exporteur und Bank; das Geschäft wird eher realisierbar.

Häufige Fragen zur Hermesdeckung

Was ist eine Hermesdeckung einfach erklärt?

Eine Hermesdeckung ist eine staatliche Garantie für deutsche Exportgeschäfte. Sie schützt Exporteure und exportfinanzierende Banken vor Zahlungsausfällen, wenn ausländische Kunden aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen nicht zahlen.

Ist eine Hermesdeckung ein Kredit?

Nein. Eine Hermesdeckung ist kein Kredit, sondern eine Absicherung. Sie kann aber helfen, einen Bankkredit oder eine Exportfinanzierung zu ermöglichen.

Wer kann eine Hermesdeckung beantragen?

Beantragen können vor allem deutsche Exporteure und exportfinanzierende Banken. Entscheidend ist, dass ein förderungswürdiges deutsches Exportgeschäft zugrunde liegt.

Welche Risiken deckt eine Hermesdeckung ab?

Sie deckt vor allem wirtschaftliche Risiken wie Insolvenz oder Nichtzahlung sowie politische Risiken wie Krieg, staatliche Eingriffe, Transferbeschränkungen oder Nichtkonvertierung ab.

Was kostet eine Hermesdeckung?

Die Kosten bestehen aus Gebühren und einem risikoorientierten Entgelt. Das Entgelt hängt von Risikolaufzeit, Länder- und Käuferrisiko, Selbstbeteiligung und Sicherheiten ab.

Wie hoch ist die Selbstbeteiligung?

Die übliche Selbstbeteiligung liegt je nach Produkt und Risikoart zwischen 5 und 15 Prozent. Bei Lieferantenkreditdeckungen gelten regelmäßig 5 Prozent bei politischen Risiken und 15 Prozent bei wirtschaftlichen Risiken einschließlich Nichtzahlung.

Wann sollte der Antrag gestellt werden?

Der Antrag sollte möglichst frühzeitig gestellt werden, idealerweise bereits im Verhandlungsstadium und vor Unterzeichnung des Exportvertrags.

Wer entscheidet über die Hermesdeckung?

Je nach Volumen entscheiden Euler Hermes, der Kleine Interministerielle Ausschuss oder der Interministerielle Ausschuss. Bei Geschäften über 15 Millionen Euro entscheidet der IMA.

Für welche Länder ist eine Hermesdeckung besonders relevant?

Besonders relevant ist sie für risikoreichere Märkte, vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern, in denen private Absicherung oft nicht ausreicht.

Warum heißt es Hermesdeckung?

Der Begriff leitet sich von Euler Hermes ab, der Gesellschaft, die die Exportkreditgarantien im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland bearbeitet.

Die Hermesdeckung ist eines der wichtigsten Instrumente zur Absicherung deutscher Auslandsgeschäfte. Sie schützt Exporteure und Banken vor politischen und wirtschaftlichen Zahlungsausfällen, erleichtert Exportfinanzierungen und kann neue Märkte erschließen. Für Unternehmer ist sie besonders dann relevant, wenn ein Auslandsauftrag groß, langfristig, politisch riskant oder für die Liquidität des Unternehmens bedeutsam ist. Sie ersetzt jedoch weder Bonitätsprüfung noch Vertragsprüfung noch Liquiditätsplanung. Wer Exportgeschäfte professionell absichern will, sollte die Hermesdeckung frühzeitig in die Finanzierungs- und Risikostrategie einbeziehen.