Pariser Club
Pariser Club
Definition
Der Pariser Club ist ein informeller Zusammenschluss staatlicher Gläubigerländer, der sich mit der Umschuldung, Stundung, Neuordnung oder teilweisen Entlastung von Auslandsschulden zahlungsschwacher Staaten befasst. Im Mittelpunkt stehen Staaten, die ihre Schulden gegenüber anderen Staaten oder staatlich abgesicherten Gläubigern nicht mehr regulär bedienen können.
Der Pariser Club ist keine Bank, kein Gericht und keine internationale Organisation im klassischen Sinn. Er ist vielmehr ein Verhandlungs- und Koordinierungsforum. Dort stimmen sich öffentliche Gläubiger untereinander ab, um gegenüber einem überschuldeten oder zahlungsunfähigen Schuldnerstaat eine gemeinsame Lösung zu finden.
Kurz gesagt:
Der Pariser Club ist das wichtigste internationale Forum staatlicher Gläubiger zur Restrukturierung öffentlicher Auslandsschulden von Staaten.
Was ist der Pariser Club?
Der Pariser Club entstand in den 1950er-Jahren und entwickelte sich seitdem zu einem zentralen Instrument bei internationalen Staatsschuldenkrisen. Sein Name geht darauf zurück, dass die Verhandlungen traditionell in Paris stattfinden.
Der Club befasst sich vor allem mit Fällen, in denen ein Staat seine Auslandsschulden gegenüber anderen Staaten nicht mehr fristgerecht bedienen kann. Dabei geht es typischerweise nicht um normale Unternehmensinsolvenzen, sondern um Zahlungsprobleme souveräner Staaten.
Der Pariser Club wird häufig dann relevant, wenn ein Land:
- hohe Auslandsschulden hat,
- fällige Zahlungen nicht mehr leisten kann,
- ein Programm mit dem Internationalen Währungsfonds verhandelt,
- seine Zahlungsfähigkeit wiederherstellen muss,
- eine ungeordnete Staatspleite vermeiden will,
- öffentliche Gläubiger um Zahlungserleichterungen bittet.
Pariser Club einfach erklärt
Wenn ein Staat Schulden bei mehreren anderen Staaten hat und diese nicht mehr bezahlen kann, entsteht ein komplexes Problem. Jeder Gläubiger könnte einzeln verhandeln, eigene Forderungen stellen oder versuchen, sich besserzustellen als andere.
Das würde die Krise oft verschärfen.
Der Pariser Club bündelt deshalb die Interessen staatlicher Gläubiger. Die beteiligten Länder sprechen gemeinsam mit dem Schuldnerstaat und suchen nach einer geordneten Lösung.
Diese Lösung kann zum Beispiel bedeuten:
- Zahlungen werden verschoben,
- Rückzahlungsfristen werden verlängert,
- Zinsen werden reduziert,
- Schulden werden teilweise erlassen,
- alte Forderungen werden neu strukturiert,
- ein Zahlungsplan wird an die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes angepasst.
Der Pariser Club soll also nicht einfach „Schulden streichen“, sondern eine tragfähige Lösung schaffen, damit ein Staat wieder zahlungsfähig wird.
Zweck und Bedeutung des Pariser Clubs
Staatsschuldenkrisen sind besonders schwierig, weil es für Staaten kein normales Insolvenzverfahren wie bei Unternehmen gibt. Eine GmbH oder Aktiengesellschaft kann nach nationalem Insolvenzrecht saniert, restrukturiert oder abgewickelt werden. Für Staaten existiert jedoch kein weltweit einheitliches Insolvenzgericht.
Genau hier liegt die Bedeutung des Pariser Clubs.
Er schafft einen Rahmen, in dem Gläubigerstaaten geordnet verhandeln können. Dadurch sollen chaotische Zahlungsausfälle, politische Eskalationen und wirtschaftliche Folgeschäden vermieden werden.
Die wichtigsten Ziele sind:
- Wiederherstellung der Zahlungsfähigkeit eines Schuldnerstaates,
- Stabilisierung der öffentlichen Finanzen,
- Koordination staatlicher Gläubiger,
- Vermeidung eines ungeordneten Zahlungsausfalls,
- Unterstützung wirtschaftlicher Reformprogramme,
- faire Lastenverteilung zwischen verschiedenen Gläubigern,
- Sicherung internationaler Finanzstabilität.
Wer gehört zum Pariser Club?
Zum Pariser Club gehören vor allem Staaten, die als öffentliche Gläubiger auftreten. Das sind meist wirtschaftlich starke Industrieländer und weitere Länder, die anderen Staaten Kredite gewährt oder staatlich abgesicherte Forderungen aufgebaut haben.
Typische Teilnehmer sind:
- Gläubigerstaaten,
- Vertreter von Finanzministerien,
- staatliche Kreditversicherer,
- öffentliche Finanzinstitutionen,
- internationale Organisationen als Beobachter,
- der betroffene Schuldnerstaat.
Nicht jeder Staat der Welt ist automatisch Mitglied. Außerdem können je nach Fall auch weitere Gläubigerländer an Verhandlungen teilnehmen, wenn sie vom konkreten Schuldenfall betroffen sind.
Welche Schulden behandelt der Pariser Club?
Der Pariser Club behandelt vor allem öffentliche bilaterale Auslandsschulden. Das bedeutet: Es geht um Schulden eines Staates gegenüber einem anderen Staat oder gegenüber staatlich abgesicherten öffentlichen Gläubigern.
Dazu zählen insbesondere:
- staatliche Kredite,
- bilaterale Entwicklungskredite,
- öffentlich garantierte Exportkredite,
- Forderungen staatlicher Kreditversicherer,
- Zahlungsrückstände gegenüber öffentlichen Gläubigern,
- bestimmte staatlich abgesicherte Finanzierungen.
Nicht im Mittelpunkt stehen dagegen rein private Forderungen, etwa Anleihen privater Investoren oder Bankkredite ohne staatliche Absicherung. Solche Forderungen werden häufig in anderen Verhandlungsformaten behandelt.
Wie funktioniert der Pariser Club?
Eine Schuldenbehandlung im Pariser Club läuft meist in mehreren Schritten ab.
1. Der Schuldnerstaat gerät in Zahlungsschwierigkeiten
Auslöser ist häufig eine schwere wirtschaftliche oder finanzielle Krise. Der Staat kann seine fälligen Zahlungen nicht mehr leisten oder steht kurz davor.
Typische Ursachen sind:
- hohe Staatsverschuldung,
- sinkende Staatseinnahmen,
- Währungsverfall,
- steigende Zinsen,
- schwache Exporte,
- politische Instabilität,
- Krieg oder innere Konflikte,
- Rohstoffpreis-Schocks,
- Naturkatastrophen,
- Kapitalflucht,
- Haushaltsdefizite,
- Rezession.
2. Der Staat sucht Unterstützung
Der betroffene Staat wendet sich an internationale Institutionen und Gläubiger. Häufig spielt der Internationale Währungsfonds eine zentrale Rolle, weil er die wirtschaftliche Lage des Landes analysiert und ein Reform- oder Stabilisierungsprogramm begleitet.
3. Die Gläubiger stimmen sich ab
Die staatlichen Gläubiger prüfen gemeinsam:
- Wie hoch sind die Forderungen?
- Welche Zahlungen sind fällig?
- Wie schwer ist die Krise?
- Ist der Staat nur vorübergehend illiquide oder dauerhaft überschuldet?
- Welche Entlastung ist erforderlich?
- Welche Reformen sind notwendig?
- Wie kann eine faire Lösung aussehen?
4. Verhandlungen mit dem Schuldnerstaat
Der Schuldnerstaat verhandelt mit den Gläubigern über neue Zahlungsbedingungen. Dabei geht es nicht nur um technische Finanzfragen, sondern auch um wirtschaftspolitische Stabilität.
5. Vereinbarung über die Schuldenbehandlung
Am Ende kann eine gemeinsame Vereinbarung stehen. Diese regelt zum Beispiel:
- welche Forderungen einbezogen werden,
- welche Zahlungen verschoben werden,
- wie lange die neuen Laufzeiten sind,
- ob Zinsen reduziert werden,
- ob Schulden teilweise erlassen werden,
- welche Bedingungen der Schuldnerstaat erfüllen muss.
6. Bilaterale Umsetzung
Die gemeinsame Einigung wird anschließend häufig in einzelnen bilateralen Vereinbarungen zwischen dem Schuldnerstaat und den jeweiligen Gläubigerstaaten umgesetzt.
Formen der Schuldenbehandlung
Der Pariser Club kann unterschiedliche Arten von Schuldenerleichterungen ermöglichen. Die konkrete Lösung hängt von der wirtschaftlichen Lage des betroffenen Landes ab.
Umschuldung
Bei einer Umschuldung werden bestehende Schulden neu geordnet. Das bedeutet: Fällige Zahlungen werden nicht sofort verlangt, sondern über einen längeren Zeitraum verteilt.
Eine Umschuldung kann dem Staat Zeit verschaffen, seine Wirtschaft zu stabilisieren und Einnahmen wieder zu erhöhen.
Stundung
Bei einer Stundung werden Zahlungen vorübergehend ausgesetzt oder in die Zukunft verschoben. Die Forderung bleibt grundsätzlich bestehen, aber der Schuldnerstaat erhält kurzfristig Liquiditätsspielraum.
Laufzeitverlängerung
Die Rückzahlungsfristen werden verlängert. Dadurch sinkt die jährliche Belastung für den Staatshaushalt.
Zinserleichterung
In bestimmten Fällen können Zinsen reduziert oder neu berechnet werden. Dadurch wird die laufende Belastung verringert.
Schuldenerlass
Bei besonders schweren Krisen kann ein Teil der Schulden erlassen werden. Das geschieht vor allem dann, wenn eine bloße Stundung oder Laufzeitverlängerung nicht ausreicht, um die Schuldentragfähigkeit wiederherzustellen.
Umwandlung von Forderungen
In Einzelfällen können Forderungen in andere Formen umgewandelt werden, zum Beispiel in Entwicklungsmaßnahmen, Zuschüsse oder besondere Programme. Der ursprüngliche Rückzahlungsanspruch wird dadurch verändert oder teilweise ersetzt.
Grundprinzipien des Pariser Clubs
Der Pariser Club arbeitet nach mehreren grundlegenden Prinzipien. Diese sorgen dafür, dass Verhandlungen strukturiert, vergleichbar und politisch tragfähig bleiben.
1. Einzelfallbehandlung
Jeder Schuldnerstaat wird individuell bewertet. Es gibt keine automatische Standardlösung. Entscheidend sind die konkrete wirtschaftliche Lage, die Höhe der Schulden, die Zahlungsfähigkeit und die Reformfähigkeit des Landes.
2. Konsens
Die Gläubigerstaaten treffen Entscheidungen grundsätzlich im Konsens. Dadurch wird eine gemeinsame Linie sichergestellt.
3. Konditionalität
Schuldenerleichterungen sind häufig an Bedingungen geknüpft. Der Schuldnerstaat muss meist ein wirtschaftliches Reform- oder Stabilisierungsprogramm umsetzen.
4. Solidarität der Gläubiger
Die Gläubigerstaaten treten koordiniert auf. Kein einzelner Gläubiger soll Sondervorteile auf Kosten anderer erzielen.
5. Vergleichbare Behandlung
Ein wichtiges Prinzip ist die vergleichbare Behandlung aller relevanten Gläubiger. Der Schuldnerstaat soll anderen Gläubigern keine deutlich besseren Bedingungen einräumen als den Gläubigern des Pariser Clubs.
Das verhindert, dass öffentliche Gläubiger Entlastung gewähren, während andere Gläubiger weiterhin vollständig bedient werden.
Pariser Club und Internationaler Währungsfonds
Der Internationale Währungsfonds spielt bei vielen Verhandlungen eine wichtige Rolle. Er analysiert die wirtschaftliche Lage des Schuldnerstaates und beurteilt, welche Maßnahmen notwendig sind, um die Zahlungsfähigkeit wiederherzustellen.
Dabei geht es unter anderem um:
- Staatshaushalt,
- Zahlungsbilanz,
- Währungsreserven,
- Wirtschaftswachstum,
- Inflation,
- Exportfähigkeit,
- Finanzierungsbedarf,
- Schuldentragfähigkeit,
- Reformprogramm.
Der Pariser Club nutzt diese Analysen, um zu entscheiden, ob eine Umschuldung ausreicht oder ob ein tieferer Schuldenschnitt notwendig ist.
Pariser Club und Weltbank
Auch die Weltbank kann bei Schuldenkrisen eine Rolle spielen, besonders bei Entwicklungs- und Schwellenländern. Während der Internationale Währungsfonds vor allem auf makroökonomische Stabilität, Zahlungsbilanz und Staatsfinanzen blickt, betrachtet die Weltbank stärker langfristige Entwicklungsfragen.
Dazu gehören:
- Armutsbekämpfung,
- Infrastruktur,
- Bildungs- und Gesundheitssysteme,
- Investitionsfähigkeit,
- institutionelle Reformen,
- langfristiges Wachstum.
Pariser Club und Entwicklungsländer
Der Pariser Club ist historisch besonders eng mit Schuldenkrisen von Entwicklungs- und Schwellenländern verbunden. Viele dieser Länder sind auf externe Finanzierung angewiesen, haben schwankende Exporterlöse und sind anfällig für Währungs- und Rohstoffpreisschocks.
Wenn ein Entwicklungsland seine Auslandsschulden nicht mehr tragen kann, drohen schwere Folgen:
- Kürzungen im Staatshaushalt,
- sinkende Investitionen,
- steigende Armut,
- Abwertung der Landeswährung,
- Importprobleme,
- Vertrauensverlust bei Investoren,
- politische Instabilität.
Eine geordnete Schuldenbehandlung kann helfen, die Krise zu entschärfen. Sie ersetzt jedoch keine wirtschaftliche Erneuerung. Langfristig muss ein Land seine Einnahmen, Produktivität und institutionelle Stabilität verbessern.
Pariser Club und Staatsinsolvenz
Der Pariser Club wird häufig im Zusammenhang mit Staatsinsolvenzen genannt. Genau genommen ist er jedoch kein Insolvenzverfahren.
Ein Staat kann nicht wie ein Unternehmen nach einem weltweit einheitlichen Insolvenzrecht abgewickelt werden. Staaten bleiben souverän. Es gibt kein globales Insolvenzgericht, das alle Gläubiger verbindlich einbindet.
Der Pariser Club ist deshalb ein praktisches Verhandlungsforum. Er hilft, staatliche Schuldenkrisen zu ordnen, ersetzt aber kein formelles Staateninsolvenzrecht.
Wichtige Unterschiede:
| Thema | Unternehmensinsolvenz | Staatsschuldenkrise |
|---|---|---|
| Rechtlicher Rahmen | nationales Insolvenzrecht | kein einheitliches Weltinsolvenzrecht |
| Gericht | Insolvenzgericht | kein globales Insolvenzgericht |
| Schuldner | Unternehmen | souveräner Staat |
| Gläubigerbindung | rechtlich geregelt | politisch und vertraglich |
| Ziel | Sanierung oder Abwicklung | Wiederherstellung der Zahlungsfähigkeit |
| Verhandlungsforum | Insolvenzverfahren, Gläubigerausschuss | Pariser Club, IWF, bilaterale Gläubiger |
Unterschied zwischen Pariser Club und Londoner Club
Der Pariser Club wird häufig mit dem Londoner Club verglichen. Beide befassen sich mit internationalen Schuldenkrisen, aber sie betreffen unterschiedliche Gläubigergruppen.
| Merkmal | Pariser Club | Londoner Club |
|---|---|---|
| Gläubiger | staatliche Gläubiger | private Banken |
| Forderungen | öffentliche bilaterale Schulden | private Bankkredite |
| Struktur | informelles staatliches Forum | informelles Bankenforum |
| Beteiligte | Staaten, Finanzministerien, öffentliche Institutionen | Geschäftsbanken, Bankenkonsortien |
| Ziel | Umschuldung öffentlicher Forderungen | Restrukturierung privater Bankforderungen |
| Schuldner | Staaten | Staaten |
| Rechtscharakter | informell | informell |
Einfach erklärt:
Der Pariser Club verhandelt über Schulden gegenüber Staaten. Der Londoner Club verhandelt über Schulden gegenüber privaten Banken.
Beispiel für eine Pariser-Club-Umschuldung
Ein Staat hat hohe Auslandsschulden gegenüber mehreren Gläubigerländern. Durch eine Wirtschaftskrise sinken die Einnahmen, die Landeswährung verliert an Wert und die Zinslast steigt. Der Staat kann seine fälligen Zahlungen nicht mehr leisten.
Ohne koordinierte Lösung könnte jeder Gläubiger einzeln Druck ausüben. Das Land müsste möglicherweise drastisch sparen, neue Notkredite aufnehmen oder Zahlungen ganz einstellen.
Im Pariser Club wird stattdessen eine geordnete Lösung gesucht:
- Die wirtschaftliche Lage wird analysiert.
- Die Gläubiger stimmen sich ab.
- Der Schuldnerstaat legt seine Situation dar.
- Ein neuer Zahlungsplan wird verhandelt.
- Fällige Zahlungen werden gestundet oder umgeschuldet.
- In schweren Fällen wird ein Teil der Schulden erlassen.
- Die Einigung wird anschließend bilateral umgesetzt.
Das Ziel ist nicht, den Schuldnerstaat von jeder Verantwortung zu befreien. Ziel ist eine realistische Lösung, die Zahlungsfähigkeit und Stabilität wieder möglich macht.
Vorteile des Pariser Clubs
Der Pariser Club bietet für Schuldnerstaaten und Gläubigerstaaten mehrere Vorteile.
Vorteile für Schuldnerstaaten
- geordnete Verhandlungen statt Einzelkonflikte,
- kurzfristige Liquiditätsentlastung,
- mehr Zeit für Reformen,
- bessere Planbarkeit,
- Signal an internationale Finanzmärkte,
- Möglichkeit zur Rückkehr an Kapitalmärkte,
- Vermeidung einer ungeordneten Staatspleite.
Vorteile für Gläubigerstaaten
- gemeinsame Verhandlungsposition,
- bessere Transparenz,
- faire Lastenverteilung,
- höhere Chance auf spätere Rückzahlung,
- weniger politisches Konfliktpotenzial,
- geordnete Stabilisierung des Schuldnerlandes.
Vorteile für das internationale Finanzsystem
- geringere Ansteckungsrisiken,
- bessere Krisenkoordination,
- strukturierte Schuldenbehandlung,
- Stabilisierung gefährdeter Volkswirtschaften,
- Vermeidung chaotischer Zahlungsausfälle.
Kritik am Pariser Club
Trotz seiner Bedeutung wird der Pariser Club auch kritisiert.
Informeller Charakter
Der Pariser Club ist kein formelles internationales Gericht. Seine Entscheidungen beruhen auf Verhandlungen, politischen Absprachen und späteren bilateralen Verträgen. Kritiker bemängeln, dass dies weniger transparent ist als ein geregeltes internationales Insolvenzverfahren.
Dominanz klassischer Gläubigerländer
Historisch wurde der Pariser Club stark von westlichen Industriestaaten geprägt. Heute spielen jedoch auch neue Gläubigerländer, Schwellenländer und staatliche Entwicklungsbanken eine große Rolle. Dadurch wird die Einbindung aller relevanten Gläubiger schwieriger.
Langsame Verfahren
Schuldenkrisen entwickeln sich oft schnell, Verhandlungen können jedoch lange dauern. Kritiker argumentieren, dass Entlastungen manchmal zu spät kommen.
Reformauflagen
Da Schuldenbehandlungen oft mit Reformprogrammen verbunden sind, kann es zu harten Sparmaßnahmen kommen. Diese können soziale Spannungen verschärfen, wenn sie nicht ausgewogen gestaltet werden.
Unvollständige Gläubigerbeteiligung
Wenn wichtige Gläubiger außerhalb des Pariser Clubs nicht mitziehen, kann eine Umschuldung unvollständig bleiben. Dann wird die Schuldentragfähigkeit nicht ausreichend wiederhergestellt.
Pariser Club aus Sicht der Restrukturierung
Der Pariser Club lässt sich gut mit einer Gläubigerkoordination in der Unternehmenssanierung vergleichen. Zwar geht es nicht um Unternehmen, sondern um Staaten. Die Logik ist jedoch ähnlich: Ein Schuldner ist überlastet, mehrere Gläubiger haben Forderungen, und ohne gemeinsame Lösung droht ein ungeordneter Zahlungsausfall.
Parallelen zur Unternehmenssanierung:
| Unternehmenskrise | Staatsschuldenkrise |
|---|---|
| Liquiditätskrise | Zahlungsbilanzkrise |
| Überschuldung | nicht tragfähige Staatsschulden |
| Sanierungskonzept | Reformprogramm |
| Gläubigerpool | Pariser Club |
| Standstill | Stundung |
| Umschuldung | Umschuldung öffentlicher Auslandsschulden |
| Haircut | Schuldenerlass |
| Fortführungsprognose | Schuldentragfähigkeitsanalyse |
Der wesentliche Unterschied: Für Unternehmen existieren gesetzlich geregelte Insolvenzverfahren. Für Staaten gibt es kein einheitliches weltweites Insolvenzrecht. Deshalb ist der Pariser Club als Verhandlungsrahmen so bedeutsam.
Häufige Fragen zum Pariser Club
Was ist der Pariser Club?
Der Pariser Club ist ein informelles Forum staatlicher Gläubigerländer. Er koordiniert Umschuldungen und Schuldenerleichterungen für Staaten, die ihre öffentlichen Auslandsschulden nicht mehr regulär bedienen können.
Warum heißt er Pariser Club?
Der Name leitet sich von Paris ab, weil die Verhandlungen traditionell dort stattfinden.
Ist der Pariser Club eine Bank?
Nein. Der Pariser Club ist keine Bank. Er vergibt nicht wie eine Geschäftsbank reguläre Kredite, sondern koordiniert die Behandlung bestehender staatlicher Forderungen.
Ist der Pariser Club ein Gericht?
Nein. Der Pariser Club ist kein Gericht und kein Insolvenzgericht. Er trifft keine gerichtlichen Entscheidungen, sondern organisiert Verhandlungen zwischen Schuldnerstaat und Gläubigerstaaten.
Welche Schulden behandelt der Pariser Club?
Der Pariser Club behandelt vor allem öffentliche bilaterale Auslandsschulden, also Schulden eines Staates gegenüber anderen Staaten oder staatlich abgesicherten Gläubigern.
Was ist eine Umschuldung im Pariser Club?
Eine Umschuldung bedeutet, dass bestehende Schulden neu geordnet werden. Rückzahlungen können verschoben, Laufzeiten verlängert, Zinsen angepasst oder Forderungen teilweise reduziert werden.
Was ist der Unterschied zum Londoner Club?
Der Pariser Club betrifft staatliche Gläubiger. Der Londoner Club betrifft private Banken. Beide befassen sich mit Staatsschuldenkrisen, aber mit unterschiedlichen Gläubigergruppen.
Was bedeutet Schuldenerlass?
Schuldenerlass bedeutet, dass ein Teil der Forderungen nicht mehr zurückgezahlt werden muss. Das kommt vor allem dann infrage, wenn ein Staat seine Schulden dauerhaft nicht tragen kann.
Welche Rolle spielt der Internationale Währungsfonds?
Der Internationale Währungsfonds analysiert häufig die wirtschaftliche Lage des Schuldnerstaates und begleitet Reformprogramme. Seine Einschätzungen sind wichtig für die Frage, welche Schuldenbehandlung notwendig ist.
Betrifft der Pariser Club auch Unternehmen?
Nein. Der Pariser Club betrifft Staaten. Unternehmen werden nach nationalem Insolvenz- und Restrukturierungsrecht behandelt.
Der Pariser Club ist ein informelles internationales Forum staatlicher Gläubiger zur Umschuldung, Stundung und Restrukturierung öffentlicher Auslandsschulden von Staaten. Er wird aktiv, wenn ein Staat seine Schulden gegenüber anderen Staaten nicht mehr regulär bedienen kann und eine geordnete Lösung zur Wiederherstellung der Zahlungsfähigkeit benötigt.
Zusammenfassung Pariser Club
Der Pariser Club ist ein zentrales Instrument zur Lösung internationaler Staatsschuldenkrisen. Er bringt staatliche Gläubiger zusammen, koordiniert Verhandlungen mit zahlungsschwachen Staaten und ermöglicht Umschuldungen, Stundungen, Laufzeitverlängerungen, Zinserleichterungen oder Schuldenerlasse.
Seine Bedeutung liegt vor allem darin, dass es für Staaten kein einheitliches weltweites Insolvenzverfahren gibt. Der Pariser Club schafft deshalb einen praktischen Rahmen, um öffentliche Auslandsschulden geordnet zu restrukturieren.
Kurz zusammengefasst:
Der Pariser Club ist das wichtigste informelle Gläubigerforum für Staaten, wenn öffentliche Auslandsschulden neu geordnet werden müssen.


